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Niea
Blutrünstiger Knutschiadmin
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Anzahl der Beiträge : 1345
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BeitragThema: Unterschätzt   Mi Dez 29, 2010 5:09 pm

Kapitel 1
Ich starrte in den Schnee, der sich nach jedem weiteren Schritt wieder um meine Füße schloss.
Ich kam zur Unterführung, klopfte den Schnee von meinen Stiefeln und lief die Bahnhofstreppe empor, die mich irgendwie jedes Mal unfassbar anwiderte.
Eine alte Dame, mit unnatürlichem Lockentrum auf ihrem Kopf starrte mich einen Moment an, um dann wieder in Richtung der in die Unendlichkeit verlaufenden Gleise zu blicken.
Ich lehnte mich gegen einen Pfeiler und blickte weiterhin auf meine Füße.
Der Gedanke, dass ich mir einmal weiße Locken in die Haare machen ließ, war für mich vollkommen absurd. Ich wusste auch nicht, ob ich jemals wirklich alt werden würde. Zumindest von meinen Gedanken her. Immer wenn ich nachdachte, merkte ich, dass ich immer noch so dachte, wie es schon als Fünfjährige getan hatte und als ich Zehn war, war die Stimme in meinem Kopf immer noch die Selbe. Immer dieselbe Stimme, die Angst hatte, immer die Selbe, die lachte.
Die S-Bahn fuhr mit kaltem Wind ein und ein quietschendes Geräusch ließ die Bremsen sich zuziehen.
Der rote Knopf an der Tür leuchtete auf und ich drückte fast im selben Moment, und die Tür öffnete sich. In diesem Moment fuhr mein Puls immer hoch und ich blickte durch den Wagon nach einem leeren Vierersitzplatz, den es in der Regel nie gab, da sich jeder solch einen Sitzplatz suchte.
Meine Füße setzten sich langsam neben einander, während ich abwog, wo ich mich hinsetzten sollte.
Ich hatte immer Angst vor fremden Menschen, obwohl ich Kampfsport lernte. Ich war eine gute Schülerin, die es liebte, die Kontrolle über eine Situation zu haben.
Und dennoch sah ich immer die Gefahr, verlor immer den Atem, wenn Jugendliche in der Bahn an mir vorbeiliefen und mein Körper rastete vor Panik immer aus, wenn sie sich neben mich setzten.
Und das Schlimmste daran war, dass ich wusste, dass wenn es jemals wirklich für mich gefährlich werden würde ich ausrasten würde. Damit meinte ich nicht hysterisches Rumgeplänke, sondern ausrasten – Ich würde jemanden töten.
Mein Leben bestand darin, nach Kontrolle über mich selbst zu suchen. Kontrolle, die ich weder in Meditation fand, noch in Eigenmanipulation.
Und das Schlimmste war immer noch, dass viele nicht verstanden, wie Gefährlich ich war. Ich hatte es gesehen, ich hatte es gelernt, ich wusste es: Zwei Aktionen, ein einziger Schlag. Ein einfacher Block, der den ersten Angriff auf dich abfing und dann kam dein Schlag, den man nicht blocken konnte – nur ausweichen, und das tat niemand, wenn er dachte, dass er überlegen war – und du wusstest einen Moment nach dem Schlag, während er dich noch fragend anstarrte, dass er im nächsten Augenblick zusammenkrachen würde. Vielleicht tot, vielleicht auch nur bewusstlos. Das hing von ihm ab.
Ich beobachtete, die vorbeiziehende Landschaft, nach dem ich mich an einem Fensterplatz niedergelassen hatte. Die mit Schnee behangenen Bäume ergaben ein faszinierendes Bild.
Vor mir saß ein Mann in schicken Anzug und eine Aktentasche lag auf seinem Schoß. Ich rieb meine kalten Hände und der Zug hielt an der nächsten Haltestelle. Die Durchsagen, des Lockführers hörte ich mittlerweile nicht mehr im Gegensatz zu früher.
Es war mein Herz, das ich wahrnahm, bevor ich meine Gedanken hörte. Vier Jugendliche stürmten laut lachend in die Bahn, simple Sprache benutzend und mit dunkelblauen Arbeiterhosen gekleidet.
Sie waren höchstens Auszubildende, vom Intelligenzniveau weit unter mir und dennoch setzten sich zwei zu mir und dem Mann und die anderen auf den Vierer daneben, was das einzige war, was mich in diesem Moment interessierte.
Ich starrte stur aus dem Fenster, während mein Herzschlag sich nicht mehr ein bekam und meine Gedanken anfingen schreiend im Kreis zu rennen. Ich fing an zu beten, dass sie nicht auf die Idee kamen mich anzusprechen, obwohl ich nicht mal an Gott glaubte.


(Fortsetzung folgt Smile )
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BeitragThema: Re: Unterschätzt   Do Jan 06, 2011 8:14 pm

Cooool Very Happy Klingt spannend, schreib mal schnell weiter!! bounce
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