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 Abenteuer Nacht

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Faules_Kätzchen
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BeitragThema: Abenteuer Nacht   Mo Jan 03, 2011 10:45 pm

Hey Very Happy
Dies ist eine Kurzgeschichte, die ich ursprünglich für einen Schreibwettbewerb vorgesehen hatte... bis ich gemerkt hab, dass das ein Gedichtewettbewerb war. Rolling Eyes Laughing

Bitte Kommentare und Verbesserungsvorschläge posten!!!

Abenteuer Nacht
Nun stand es fest: Neuseeland sollte es also sein, das Land der Vielfalt, wie die Prospekte im Reisebüro voller Begeisterung versprachen. Auch Sebastian schien sich in einen laufenden Reiseprospekt verwandelt zu haben, seit wir mit der Planung für unsere Hochzeitsreise begonnen hatten. „Glaub mir, du wirst begeistert sein! Die Natur ist einmalig!“, schwärmte er und vergrub sich in allen Fotobänden, Reiseführern und Outdoorzeitschriften zum Thema Neuseeland, die er in die Finger bekam. Meine schwachen Proteste, er wüsste doch, dass ich mein Leben lang schon gern nach Hawaii gereist wäre, spülte er einfach mit seinem Schwall an Enthusiasmus davon. „Was hat schon Hawaii, das Neuseeland nicht hat? Schau mal, Kati, Vulkane und Urwald gibt es dort genauso und Strände werden wir auch finden. Also komm, was spricht denn dagegen?“
Ja, ja, wenn sich mein Mann für eine Sache begeisterte, war er nicht mehr zu bremsen. Das kannte ich schon zur Genüge von seinem Herr-der-Ringe-Fieber, welches seit Jahren andauerte. Nun, im Grunde hatte ich auch gar nichts gegen Neuseeland. Mir wäre Hawaii einfach lieber gewesen.
Doch wie das immer war konnte er mich auch diesmal letztendlich überreden und wir machten uns mit Fahrrädern und Zeltgepäck auf in die Flitterwochen. Wir hatten bereits in Frankreich, Ungarn und auf Island Erfahrungen mit dieser Art des Reisens gesammelt und ausnahmsweise teilte ich beim Thema Individualtourismus die grenzenlose Begeisterung Sebastians. Wie ich war er ein echter Naturliebhaber und selbstbestimmter Abenteuerer, der sich schon beim Ausdruck „All-inclusive“ schüttelte wie ein nasser Hund.
Nachdem wir den Inselstaat problemlos erreicht und uns einen Tag lang müde geradelt hatten, suchten wir nach einem schönen Campingplatz, wo wir unser Lager aufschlagen konnten. Ich fragte Sebastian nach einer Weile erfolglosen Suchens, ob er gewusst hätte, dass hier alles voller unnützer Zäune stand, die einem den Weg zu den schönsten Plätzen versperrten. Er ging nicht darauf ein. Nein, so kurz nach der Ankunft konnte er natürlich nicht zulassen, dass sein Traum vom glorifizierten Traumreiseziel auch nur den kleinsten Kratzer bekam. Ich seufzte nur und versuchte, daran zu denken, dass dies immerhin unser heiß ersehnter Honeymoon war, den doch so ein paar Zäunchen nicht verderben konnten. Im selben Moment rief Sebastian erleichtert: „Na, Gott sei dank! Komm, Kati, hier ist doch der Campingplatz schon! Dass wir den nicht früher gesehen haben...“
Etwa zwei Stunden später, als die Nacht endgültig hereingebrochen war und sich wie ein schwarzes Tuch über die Landschaft legte, steckten wir endlich in unseren Schlafsäcken. Ich hatte dabei den meisten Platz im Zelt für mich, da sich Sebastian beim Schlafen immer zu einer winzigen Kugel zusammenrollte. Dennoch legte ich mich dicht neben ihn. Ich horchte seinen regelmäßigen Atemzügen, bis die Müdigkeit auch mich übermannte. Fast war ich schon eingeschlummert, als mich ein metallisches Poltern vor unserem Zelt mit einem Ruck wieder hochfahren ließ. Ich blinzelte in die Finsternis und spitzte die Ohren nach weiterem Lärm. Doch außer den leise zirpenden Grillen und Sebastians leichtem Schnarchen war nichts zu hören. Gerade wollte ich mich wieder hinlegen in der Überzeugung, mir das Scheppern nur eingebildet zu haben, als es erneut geschah. Diesmal war es lauter. Ich bekam ein ungutes Gefühl im Magen und mein Herz begann spürbar zu pochen. „Basti?“, flüsterte ich und schüttelte ihn leicht. Er brummte nur im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite. Na super. Wenn man mal einen Mann brauchte, war er nicht wach zu kriegen! Da blieb mir wohl nichts anderes übrig, als selbst nach dem Störenfried zu schauen und gegebenenfalls für Ordnung zu sorgen. Widerwillig kramte ich die Taschenlampe unter dem Kopfteil meines Schlafsacks hervor und knipste sie an. Ich öffnete den Zelteingang und leuchtete nervös nach draußen. Meine Hand zitterte leicht, als der Lichtkegel wie Mondschein über die nächtliche Landschaft glitt. Büsche am Straßenrand, ein vereinzelter Baum und unser noch dreckiges Geschirr vom Abendessen wurden in das gespenstisch weiße Licht getaucht. Nichts Beunruhigendes also, sagte ich mir, als der Schein der Taschenlampe plötzlich auf etwas Pelziges, Lebendiges fiel, das sich an unseren Essensresten zu schaffen machte. Ich ließ vor Schreck fast die Taschenlampe fallen, als es sich blitzschnell bewegte und in die Nacht verschwand. Gleichzeitig fiel mir aber auch ein Stein vom Herzen: Es hatte sich nur um ein davonhuschendes Opossum gehandelt! Erleichtert kroch ich zurück ins Zelt. Ich hätte am liebsten über mich selbst gelacht. Mein Gott, ich hatte Angst vor so einem kleinen Pelztier gehabt! Lächelnd legte ich mich wieder schlafen, knipste die Lampe aus und verstaute sie unter meinem Schlafsack.
Doch das Opossum sollte nicht die einzige Ruhestörung in dieser Nacht bleiben.
Es muss wohl kurz nach Mitternacht gewesen sein, als mein leichter Schlaf von etwas weitaus lauterem als einem randalierenden Pelztier unterbrochen wurde. Laute, schwer definierbare Maschinen- und Motorengeräusche sowie blendend helles Licht drangen durch unsere Zeltwand. Da ich einen seltsamen Traum gehabt hatte, dachte ich im ersten Moment voller Entsetzen, auf dem Campingplatz würden UFOs landen und uns mitnehmen. „Basti!“, rief ich wieder und schüttelte ihn, doch er war einfach nicht wach zu kriegen. Also griff ich ein zweites Mal in dieser Nacht nach meiner Taschenlampe und krabbelte nach draußen, wo ein beißender Geruch in der Luft hing. Ich war mir inzwischen selbst nicht mehr so sicher, ob das jetzt wirklich Aliens waren, die die Erde angriffen, doch ich war so benebelt von der Müdigkeit, dass mir keine schlauere Möglichkeit einfallen wollte.
Ich blinzelte in das blendend helle Licht auf der Straße und als sich meine Augen daran gewöhnt hatten, sah ich endlich des Rätsels Lösung: Direkt neben unserem Campingplatz wurde die Straße geteert! Daher kam auch der penetrante Teergeruch! Wieder einmal erleichtert kehrte ich ins Zelt zurück und steckte die Taschenlampe weg, die ich natürlich gar nicht gebraucht hatte. Als ich jedoch versuchte, bei dem Lärm, Licht und Gestank einzuschlafen und einsehen musste, dass es unmöglich war, wandelte sich meine Erleichterung in Wut. Ich war wütend auf die Bauarbeiter, die mitten in der Nacht auf die Idee kamen, die Straße auszubessern und mir somit meinen Schlaf raubten. Ich war wütend auf das Opossum, welches woanders doch wohl auch genug Fressen fand, also warum musste es sich ausgerechnet unser Geschirr vornehmen? Vor allem jedoch war ich wütend auf mich selbst, die ich so einen leichten Schlaf hatte. Im Gegensatz dazu war ich aber auch wütend auf Basti, der so einen tiefen Schlaf hatte. Ich wälzte mich auf der Luftmatratze herum. Na super, jetzt hielt mich auch noch mein Zorn vom Schlafen ab. Dabei wollten wir doch morgen schon früh aufbrechen, um möglichst viel Strecke zu schaffen! Zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich beim Gedanken an einen ganzen Tag lang Radfahren kein freudiges Flattern im Bauch. Diesmal fragte ich mich nur, wie ich es völlig übermüdet überstehen sollte.
Sebastian, der mich am nächsten Morgen frisch und munter aus den Federn warf, hatte natürlich keine Ahnung, was sich in der Nacht so alles abgespielt hatte. Als ich ihm von meinem nächtlichen Abenteuer erzählte, machte er nur große Augen und beteuerte, er habe von alledem nicht das kleinste Bisschen mitbekommen. Angesichts meiner schlechten Verfassung versprach er mir aber, heute Abend auf einem Campingplatz weitab von der Straße zu übernachten.
Wir wussten ja noch nicht, was für einen Fehler wir damit machen sollten!
Irgendwie brachte ich den Tag hinter mich, ohne schlafend vom Fahrrad zu kippen. Um ehrlich zu sein lief es sogar am Anfang ganz gut. Erst gegen Nachmittag holte mich die Müdigkeit wieder ein. Wir hatten den Platz jedoch längst noch nicht erreicht und Sebastian versuchte erfolglos, meine Stimmung etwas damit zu heben, mir schöne Landschaften, Tiere oder Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Doch ich blieb weiterhin schweigsam, und so gab er es schließlich auf. Schweigend radelten wir nebeneinander her, bis wir den Campingplatz endlich erreicht hatten.
Ich musste zugeben, der Platz sah gar nicht so schlecht aus. Er war schön groß, begrünt und außer uns campten nur wenige Andere dort. Wir schoben unsere Fahrräder über den ganzen Platz, weit weg von den anderen Zeltlagern und der Straße, bis wir eine schöne, ruhige Ecke hinter einigen Bäumen fanden. Der Campingplatz endete hier sowieso, was (natürlich) mit einem Zaun markiert war. Hinter dem Zaun gab es nur eine große Grasfläche, also nichts, was Anlass zur Besorgnis in Hinblick auf unsere Nachtruhe gab. „Es sei denn, irgendein Trottel möchte in der Nacht unbedingt den Rasen mähen.“, versuchte Sebastian, mich aufzuheitern. Ich rang mir ein Lächeln ab. „Ja, bei meinem Glück bestimmt.“ Ich begann, das Zelt aufzubauen und fragte: „Du, macht es dir was aus, wenn wir heute kalt essen? Ich möchte so schnell wie möglich in den Schlafsack.“
Für einen Moment sah enttäuscht aus, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. „Tu, was du nicht lassen kannst.“ Er grinste mir schwach zu und machte sich daran, unseren Proviant auszupacken. „Ach, und noch etwas, Kati: Wenn dich heute Nacht wieder irgendwas vom Schlafen abhält, was ich nicht hoffe, dann weckst du mich einfach, okay? In dem Fall tragen wir das Zelt einfach ein Stück weg. Dafür haben wir schließlich ein tragbares Zelt.“
Ich machte mir nicht die Mühe, ihm beizubringen, dass er stets schlief wie ein Stein und wahrscheinlich neben ihm eine Bombe hochgehen könnte, ohne dass er etwas davon merkte. Heute Nacht würde ich gar nicht erst versuchen müssen, ich aufzuwecken. Was sollte hier schon unseren Schlaf stören?
Wenige Stunden später sollte ich es erfahren.
In den frühen Morgenstunden ging es los. Ich wusste erst nicht, was mich geweckt hatte, bis ich die schnellen Schritte und das Gemurmel einiger Menschen rund um unser Zelt registrierte. Ich verstand jedes einzelne Wort. Konnten die nicht etwas leiser sein? Aber wieso fand überhaupt in aller Herrgottsfrühe eine Völkerwanderung über einen abgelegenen Campingplatz statt? Hatte man den hier nie seine Ruhe? Gereizt griff ich wieder nach meiner Taschenlampe, um draußen nach dem Rechten zu schauen. Außerhalb des Zeltes merkte ich jedoch, dass ich sie gar nicht brauchte, da die Morgendämmerung bereits eingesetzt hatte. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch über den Horizont krochen bereits einige schüchterne Strahlen. Ich sah auf die Uhr. Fast sechs. Was sollte diese Aufregung um sechs Uhr morgens? Am liebsten hätte ich einen der gemächlich vorbeistapfenden Touristen gefragt, doch so, wie die Leute mich anschauten, als ich verschlafen, zerzaust und noch im Pyjama hervorgekrochen kam, ließ ich es lieber bleiben. Mein Blick folgte der Menschengruppe in Richtung Zaun. Erst jetzt bemerkte ich, dass dieser eine kleine, mit einem Vorhängeschloss gesicherte Tür hatte. Eine Frau löste sich aus der Gruppe, schloss das Tor auf und lotste die anderen hindurch. Während ich mich noch wunderte, was das bitteschön werden sollte, sah ich auf der großen Rasenfläche den Grund der Aufregung: Ein Helikopter. Wie es aussah, wollten die Leute einen Rundflug machen. Na, großartig. Höchst verstimmt tappte ich ins Zelt zurück, während der Hubschrauber mit lautem, geradezu hämischen Dröhnen abhob. Wenig später hörte ich eine weitere Truppe laut lachend und tratschend vorbeiwandern. Ich stöhnte genervt. Wenn das jetzt so weiterging, war's das anscheinend schon wieder mit dem erholsamen Schlaf. Und ich war so naiv gewesen zu glauben, dass es auf diesem idyllischen Plätzchen keine Ruhestörungen gab!
Das nächste Mal, nahm ich mir vor, würde ich den Urlaub organisieren. Und zwar in einem Drei-Sterne-Hotel, wo man lange ausschlafen konnte und Frühstück ans Bett gebracht bekam.
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BeitragThema: Re: Abenteuer Nacht   Di Jan 18, 2011 11:11 pm

ich finds gut, besonders so ausdrücke wie "schüchterne Strahlen" gefallen mir bei deiner Geschichte.. daumen hoch"!
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