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 Suche nach Perfektion

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BeitragThema: Suche nach Perfektion   Fr Feb 25, 2011 5:37 pm

Hier nochmal eine KG von mir:


Thema: Re: Ich mach dann auch mal... Gestern um 6:13 pm
Und hier mal eine KG:

Zum ungefähr tausendsten Mal schweifte mein Blick über meine Nägel. Frisch manikürt, zum ersten Mal professionell manikürt. Wieso war ich nicht so stolz darauf, wie die Anderen immer? Warum überkam mich nicht auch dieses schöne Gefühl, dass alle beschrieben?
Ich warf meine gerade geschnittenen Haare zurück, doch ich spürte nicht die Befriedigung, die immer alle so hoch schätzten.
Ich strich mein neues Kleid glatt, 200€, doch ich genoss das Gefühl nicht so, wie alle Anderen es scheinbar taten.

War ich seltsam? War ich anders?

Dieses Glücksgefühl rannte zwar auf mich zu, doch mein Verstand hielt es von meinem Kopf ab. Mit der Spitze meines neuen Stiefels trat ich gegen einen Kieselstein, der in einer Pfütze seichte Kreise hinterließ. Ich musste lächeln, doch mein Lächeln gefror. Welches Mädchen lächelte schon in so einem Moment? Mein Verstand meldete sich wieder. Es war, als wollte er mich trösten, doch ich ließ es nicht zu. Stattdessen zog ich ein Taschentuch aus meiner ebenfalls neuen Tasche und säuberte die Spitze meines Stiefels. War mein Verhalten jetzt albern oder normal? Oder war normales Verhalten albern? Ich verdrängte den Gedanken aus meinem Kopf und wanderte die Kö entlang. Meine Klassenkameradinnen - oder vielmehr Freundinnen, wie ich fast stolz bemerkte - würden sicher schon bei Starbucks auf mich warten. Ich hasste es, zu spät zu kommen, aber mir wurde mal gesagt, es sei schick, und deswegen...

"Da bist du ja!", schrien drei aufgeregte Mädchen bei meiner Ankunft und sprangen auf. Nun würde die alltägliche Begrüßungsprozedur folgen. Freundin eins, Küsschen links, Küsschen rechts; Freundin zwei, Küsschen links, Küsschen rechts; Freundin drei, Küsschen links, Küsschen rechts; Komplimente. Viele Komplimente. "Neues Kleid?", "Süßer Lippgloss!", "Wow! Deine Stiefel!". Ich erwiderte jedes Einzelne, doch ob ich auch jedes ernst meinte, stand auf einem ganz anderem Blatt. Schier unendlich lange Zeiten saßen wir dort um einen viel zu kleinen Tisch, tranken koffeinfreien Latte Macchiato und redeten über Gott und die Welt. Nun ja, genauer gesagt über Dates und die Welt, Gott war nie im Gespräch. Nicht mal ansatzweise. Vielleicht waren meine Freunde einfach nicht religiös? Vielleicht interessierten sie sich ja nicht für Gott oder Philosophie oder so etwas in der Richtung. Vielleicht sind deine Freunde niveaulose, blöde Tussen?, ergänzte mein Verstand. Manchmal hasste ich meinen Verstand. Irgendwie fühlte ich mich fremd in dieser Gruppe. Als würde ich nicht dazugehören, als wäre ich...anders! Doch ich wollte nicht anders sein, wollte normal sein, wie die Anderen, wie die Schönen und Reichen, wie einfach alle. Mein Blick wanderte über mein Kleid. Die darauf abgebildeten Blumen schienen mir viel zu bunt für diese Welt. Viel zu farbenfroh für dieses schwarz weiß, viel zu fröhlich für meine innere Zerrissenheit. Und ich erhob mich. Erhob mich, nickte meinen sogenannten Freundinnen noch ein letztes mal zu und saß dann da, am Ufer des Rheins und dachte nach. Keiner folgte mir, doch ich machte mir nichts daraus

Und nun saß ich da, traurig, enttäuscht und verwirrt, und dachte einfach nur. Den Wind, der meine frisch geschnittenen Haare durcheinander brachte nahm ich kaum war, die feinen Steinchen, die mein Kleid sicher bald zum zerreißen bringen würden, ignorierte ich. Ja, ich war anders. Ich war anders und ich war enttäuscht deswegen, auch wenn ich wusste, das anders nicht unbedingt schlechter sein musste. Aber selbst wenn die Normalen die Schlechteren wären, wäre es dann nicht besser, zu den Schlechten zu gehören? Säße man nicht lieber in einer Gruppe mit schlechten, statt ein zwar besserer, aber dafür einsamer Wolf zu sein? Oder gab es noch mehr Andere? Saß vielleicht nur wenige Meter von mir entfernt jemand, der so dachte wie ich? Ich schielte vorsichtig zur Seite. Eine Möwe, na klasse.

Und ich erhob mich und sah mich um, auf der Suche nach Leuten, die anders waren. Nach Leuten, die waren, wie ich
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Faules_Kätzchen
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BeitragThema: Re: Suche nach Perfektion   Mo März 07, 2011 3:05 pm

Die Geschichte ist sehr schön... so ähnlich fühle ich mich auch manchmal :/
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fuwachi
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BeitragThema: Re: Suche nach Perfektion   Sa Jul 21, 2012 2:43 pm

Sehr gut geschrieben meiner Meinung, geht flüssig durch ohne das ich beim Lesen irgendwie mal stocken müsste ^^
Mir gefällt das Thema, denn ich denke auch sehr oft darüber nach und fühle mich oft Mals genauso wie in dieser Gesichte, nur das ich mir kein Kleid für 200€ leisten kann xD
Man fühlt sich seltsam zwischen seinen Freunden, die scheinbar nur über sinnlose und oberflächliche Sachen nachdenken, als gäbe es nichts anderes. Viele meiner Freunde sind such so und manchmal denkt man das sind irgendwie schon Idioten.. und man denkt man ist völlig allein mit seinen Gedanken.
Super rüber gebracht die Gesichte Smile
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Eisflackern
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BeitragThema: Re: Suche nach Perfektion   So Aug 05, 2012 4:13 pm

Ich finde die Geschichte auch sehr schön Smile

Du kommst direkt zum Punkt und die Idee schwingt von vorne bis hinten in der geschichte mit, was mir gut gefällt. Meiner Meinung würde ich vielleicht noch etwas mehr "Wut" wenn man das so nennen mag an der Tischszene mit einbringen, wenn sie darüber nachdenkt, wie flach die Gespräche ihrer Freundinnen sind. Allerdings ist das nur wieder so ne "Eis" eigenheit, die ruhige Version von dir ist auch sehr schön.
Rechtschreibung und Grammatik einwandfrei, wie immer Wink
Doch, alles in allem eine runde Geschichte und ich kenne das Gefühl auch Smile

Liebe Grüße, Eisi
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LissyFever
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BeitragThema: Ich fühle sofort mit   Fr Okt 12, 2012 1:30 pm

Dokumentarisch, kurz und knackig. Also das gefällt mir wirklich. Ich war in der Schule auch immer anders. Aber irgendwie so anders, dass ich schon wieder nicht anders war. Hatte nie Freunde die so waren wie ich aber trotzdem nie keine Freunde... Du formulierst sehr gut und die ganze Geschichte ist toll ausgearbeitet.
Vor allen Dingen kommen die Emotionen gut rüber, ich konnte mir die Szene auch bildhaft sofort vorstellen. Authentisch. Aber okay, ich hab gelesen, Verbesserungsvorschläge sind dir wichtig Very Happy ich muss wirklich nachdenken, weil in sich ist diese Geschichte eigentlich gut finde wie sie ist!
Allgemein, was vielleicht gut wäre, damit habe ich früher auch angefangen, ich habe immer Prosa Texte geschrieben und dann versucht so unkonventionell wie möglich zu formulieren, so ganz aus dem Bauch herraus.
So in Richtung: Mein Kopf platzt, meine Liebe scheitert. Mein Föhn schreit und niemand schweigt. Niemand. So schön wie ich. So laut wie ich.
So gaaaanz spontan, ohne Verstand. Wink Meine texte waren mir nämlich immer zu unehrlich, igendwie gar nicht von mir, sondern nur die Formulierungen von anderen übernommen, ich war gehemmt, konnte meine Gefühle nie 100prozentig authentisch darstellen...
Das mit diesen Gedichttexten hat meine Intuition ziemlich geschult, in Sachen eigenen Stil finden und so... Dafür hab ich echt lange gebraucht, wenn ich ihn überhaupt schon gefunden habe... Das ist ein wichtiger Schritt für jeden jungen Schriftsteller, hab ich jedenfalls immer gedacht. Aber wie man ihn findet ist wohl auch bei jedem anders. Jedenfalls, du hast echt massenweise Talent Smile!!! und das haben nicht viele. es fehlt nur noch ein bisschen Schriftsteller Selbstbewusstsein.
Experimentieren ist mein Vorschlag Very Happy
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