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 Klosterfreuden

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NickSeeb
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BeitragThema: Klosterfreuden   Do Sep 22, 2011 2:15 am

Nirgends konnte er sich in Sicherheit wiegen. Sie verfolgten ihn auf Schritt und Tritt. Anfangs, und auch bis vor kurzem, war er hoch erhobenen Hauptes durch die Stadt geschlendert, sich wohl bewusst, dass ihm jeder Frauenrock hinter her sah. Er hatte sie umworben, ausgeführt, geliebt und dann weggeschmissen, und keine war ihm jemals böse gewesen, verständlich, denn einen wie ihn fand man nicht alle Tage. Er war der alles umworbene Gigolo der Stadt. Jede Frau, die einmal das Vergnügen hatte von ihm begehrt zu werden, würde das ihr Lebtag nicht vergessen. Bei ihm bettelten sie um mehr, wanden sich in ihrer Wohllust, und er gab es ihnen, tausendfach. Den Angetrauten konnten sie dann besser ertragen, immer in der Vorstellung er sei bei ihnen. Das war natürlich absurd, aber für ihn definitiv nachvollziehbar. Was wussten Männer schon über Frauenwünsche? Nichts, aber auch gar nichts. Hätten sie sich nur ein bisschen auf dieses eigenartige Wesen Frau eingelassen, wären sie ihr Lebtag glücklich gewesen. Doch was taten die Herren der Schöpfung? Sie begatteten und dachten nur an sich, ein Hohn an die Frauenwelt! Wie viele er in seinen Armen gehalten hatte, er wusste es nicht mehr. Anfangs hatte er noch Buch geführt, aber als er überrollt wurde von Angeboten, hatte er es sein lassen. Es war ja auch nicht so wichtig. Wichtig war, dass er er blieb. Doch leider passierte ihm ein Fehler. In eine der Frauen hatte er sich tatsächlich verliebt, das durfte nicht sein! Natürlich beendete er die Beziehung postwendend, aber ein schaler Geschmack blieb zurück. Er konnte es drehen wie er wollte, er würde niemals mehr der gleiche sein!

So entschloss er sich in Klausur zu gehen. In einem etwas abseits gelegenen Kloster fand er Unterschlupf. Keiner kannte ihn, das war ihm mehr als recht, er wollte nur für sich alleine sein. Die Mönche respektierten seinen Wunsch, und nur einer kam täglich vorbei, um ihm stumm seine karge Mahlzeit zu überbringen. In seiner Klause befanden sich ein Betstuhl, ein Gestell, das mit einem Strohsack gefüllte Bett und natürlich die Heilige Schrift. Die gekalkten Wände waren leer, wenn man vom grossen Kreuz absah. Nach einigen Wochen in dieser Abgeschiedenheit verlangte es ihn wieder nach Menschen. Er verbrachte Stunden im Klostergarten und half alsbald bei der Pflege des Kräutergartens. Verständlicherweise hatte er absolut keine Ahnung davon, aber die Mönche hatten Zeit und Geduld. Gesprochen wurde nur das Nötigste, bei den Mahlzeiten gar nichts. Absurderweise gefiel ihm das neue Leben: die Stille hinter den Klostermauern, die Mönche, die nur auf Gott fokussiert waren und dem Geschlechtstrieb keine Bedeutung schenkten. Ihm fiel es nach all den Jahren nicht einfach, und oft musste er beschämt Hand anlegen.

Eines Nachts erwachte er ob einem seltsamen Geräusch. Doch nichts weiter geschah, er musste sich geirrt haben, die Träume hatten ihm wohl einen Streich gespielt. Doch da war es wieder, das für ihn unverkennbare Liebesgestöhn eines Menschen. Wäre er sich nicht absolut sicher gewesen, hätte er dem Vorgefallenen keine weitere Beachtung geschenkt. Aber jetzt musste er seine Neugier befriedigen. Leise betrat er den langen Gang und folgte den anhaltenden Lauten, die aus dem ihm schräg gegenüberliegenden Zimmer kamen. Er wollte gerade sein Ohr an die Türe legen, als sie sich öffnete. Mit einem gekonnten Sprung rettete er sich im letzten Moment hinter eine daneben stehende Truhe. Was ihm dann vor Augen kam, konnte er bei Gott kaum verstehen. Einer der Mönche kroch auf allen Vieren, splitterfasernackt, einem Hund gleich, aus dem Zimmer. Hinter ihm, ebenfalls im Adamskostüm, ein Bruder mit einer Peitsche. Winselnd und japsend kroch der Mönch den Gang entlang, gefolgt von seinem, ihn immer wieder hauenden Kumpan. Den beiden schien es sichtlich Spass zu machen, wenigstens was er so zwischen ihren Beinen beobachten konnte! Nachdem sie aus seinem Sichtfeld verschwunden waren, zog er sich schnellstens in sein Zimmer zurück. Lange wälzte er sich von einer Seite auf die andere, bis er endlich den Schlaf der Gerechten fand. Am nächsten Morgen begab er sich schon früher als sonst in den Klostergarten. Er brauchte Ruhe, um das nächtliche Geschehene zu verarbeiten. Er bewässerte die jungen Pflänzchen, zog da und dort ein Unkraut aus der jetzt feuchten Erde und entsorgte sie auf einen dafür vorgesehenen Haufen. Gerade bückte er sich nach einer Schlingpflanze, als ihm jemand seine Hände auf seinen Hintern legte. Geschockt richtete er sich auf. Vor ihm stand der Mahlzeitenüberträger. Seine Gesichtszüge schienen nicht in diese Welt zu gehören. Sein bis zu diesem Tage distanziertes Antlitz, das aber auch Liebe und Verständnis ausgestrahlt hatte, war um hundert Grad verändert. Er sah sich einer verzerrten Fratze gegenüber, die nur darauf aus war, ihn zu demütigen. Langsam, um den andern ja nicht zu einem weiteren Übergriff zu provozieren, bewegte er sich in Richtung der Klostermauer. Ein grosser ausladender Baum, der direkt an der Mauer stand, war sein fixiertes Ziel. Etwa fünfzig Meter trennten ihn noch von seinem Fluchtweg, als ein weiterer Mönch in sein Sichtfeld trat. Und jetzt kamen sie aus allen Winkeln und Ecken, bildeten einen Halbkreis, um wie bei der Jagd das Wild zu umzingeln. Wie auf Kommando entledigten sie sich ihrer Kutten und standen nun da, wie Gott sie schuf. Keiner sprach ein Wort, aber ihre verwerflichen Blicke sagten alles. Ihn packte das blanke Entsetzen. Mit einer nie gekannten Schnelligkeit erreichte er den rettenden Baum und warf sich mit einem Hechtsprung auf den ersten Ast. Schon glaubte er sich in Sicherheit, als ihn eine Hand doch noch am rechten Fuss erwischte. In seiner Panik schlug er wild um sich, doch die starke Männerhand hielt wie ein Schraubstock fest. Langsam, ganz langsam, zogen sie ihn zu sich. Die Kleider wurden ihm vom Leib gerissen, dann legten sie ihn zwischen sich auf den Boden. Mit lüsternen Augen betrachteten sie eine geraume Weile das Frischfleisch, bis einer anfing, über seinen Körper zu streicheln. Jetzt waren sie nicht mehr zu bremsen. Dicke und Magere fielen über ihn her, stiessen oben und unten in ihn, bis er fast leblos liegen blieb. Danach züngelten sie wie Schlangen seinem Leib entlang, saugten und bissen an ihm, bis seine Haut rotblau verfärbt war. Nun trugen sie ihn zum Kräutergarten, würzten ihn mit den feinsten Kräutchen, um ihn alsbald in die Küche zu tragen.


Text von Christine Seebacher, Schweiz
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BeitragThema: Re: Klosterfreuden   Do Sep 22, 2011 3:46 pm

WFT? Shocked
Die wollen denn doch nicht essen, oder?
Ist ein bisschen brutal, aber es interresiert mich echt, wie es weitergeht Very Happy Beim lesen merkt man kaum noch dass man vorm Computer sitzt, find ich super.
Kritisieren würde ich höchstens, dass man erst mal rumrätzeln muss, in welcher Zeit dass spielt Wink
PS: Cool, dass du neu dazu gekommen bist!
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Klosterfreuden
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