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 Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"

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Eisflackern
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BeitragThema: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mi Mai 23, 2012 5:46 pm

So Smile

Nochmal hier ein Hallo an alle. Überschüttet mich ruhig mit Kritik, guter wie schlechter, ich hab ein offenes Ohr Very Happy
Bisschen action ist drin, bisschen liebe, lasst euch überraschen. Bei fragen bin ich offen, seid nicht traurig wenn ihr beim lesen erstmal im Dunkeln tappt Razz
Hab schon ne ganze Menge mehr geschieben, will euch aber nicht direkt erschlagen, deswegen schritt für schritt.

Ganz liebe Grüße und viel Spaß beim lesen, Eisflackern <3

Kapitel 1.1

Ein lauer Sommerwind umstrich die Häuser und der Himmel war mit schwarzer Farbe bepinselt. Nur wenige Sterne waren zu sehen, doch die silberne Mondsichel strahlte hell und kraftvoll. Kaum ein Geräusch störte die Idylle, die Straßen waren wie leergefegt, auch die Autos schlummerten schon tief in den Garagen. So lautlos wie es nur ging, schob ich mein Zimmerfenster einen Spalt breit auf und kletterte geschickt auf den Sims. Das kalte Gras kitzelte meine nackten Füße, als ich in den stillen Vorgarten hüpfte. Ich bewegte mich wie eine Katze, schnell und geräuschlos. Ein tiefer Atemzug, mit dem ich die frische Nachtluft einsog, dann huschte ich schon über den Rasen und die Straße entlang.
Ich wollte nicht sehr weit, mein Ziel lag nur zwei Straßen weiter. Am liebsten blieb ich dabei auf dem kühlen Gras der Vorgärten, die die Reihenhäuser der Siedlung schmückten. Eine Straße überqueren, kleine Steinchen, die mir in die Ballen stachen, dann weiter durch die Nacht. Als ich am richtigen Garten angekommen war, schluckte ich einmal, ich würde nicht mehr oft hierher kommen…
Ich klopfte an ihr erleuchtetes Fenster und musste schmunzeln. Klar, wie sollte sie schlafen können? Nicht mal ich konnte das. Isa half mir in ihr Zimmer und schloss mich in die Arme. Ihre Hände waren ganz kalt und sie schien nicht genau zu wissen, ob sie nun lächeln wollte oder ob sie zu nervös war. Wir ließen uns auf ihr Bett fallen und ich mummte mich in ihre kuschlige Decke.
„Morgen ist es soweit, was?“, sagte ich feierlich. Ich griff nach ihrer Hand. „Bist du schon sehr aufgeregt?“
„So sehr, Vik! Ich weiß gar nicht, wie ich das alles fassen soll. Ich meine man denkt immer 18 Jahre sind so lang und man wird nie so alt aber plötzlich sind es nur noch ein paar Monate, dann ein paar Wochen und dann ist es plötzlich morgen! Und um 12 Uhr geht es schon los.“ Sie sprudelte geradezu über vor Aufregung. Aber verständlich. Sehr sogar. „Wie macht ihr das denn mit dem Abschied und so?“ fragte ich. Ich konnte mir noch gar nicht vorstellen wie es sein würde, wenn sie nicht mehr hier wäre. Aber zum Glück würde auch ich bald 18 werden.
„Mama und Papa haben sich beide für morgen frei genommen und Lara kommt auch mit zum Bahnhof. Koffer und alles hab ich schon gepackt, wir stehen dann relativ früh auf, frühstücken zusammen und dann… Ich hab auch schon eine Mail bekommen mit dem genauen Reiseplan. Erst mal mit dem Zug dann später mit dem Helikopter.“ Meine geweiteten Augen hingen an jedem ihrer Worte. Ich konnte es nicht erwarten, die ersten Mails zu bekommen und so kurz vor der Abreise zum Programm zu sein. Sie strich sich strahlend eine Strähne hinters Ohr und biss sich auf die Lippe.
„Ich bin noch nie mit einem Hubschrauber geflogen! Und ich kann es kaum erwarten die Anderen kennen zu lernen und mir die Einrichtung anzuschauen. Morgen ist es soweit…“
Mein enthusiastisches Nicken, ihre Hände, die sich in die Bettdecke krallten, die bunten Poster mit Menschen, die uns von den Wänden entgegenstrahlten, die Stapel von Prospekten, die sich auf ihrem Schreibtisch türmten und das blau flimmernde Licht des Bildschirms auf dem noch die Webpage des Programms geöffnet war. Drei glückliche Jugendliche standen vor einer Neumodischen Institution und hatten siegreich die Fäuste in die Luft gestreckt, darunter der Werbeslogan des Programms „DU bist die Zukunft“. Ich bewegte stumm meine Lippen während ich den nur zu verinnerlichten Satz geradezu liebevoll ansah. Dann drehte ich mich wieder zu meiner besten Freundin, die sich gerade zum Nachttisch reckte und ein Stück Papier angelte, das sie scheinbar schon sehr oft in der Hand gehalten hatte.
„Hier, ließ mal“, sie gab mir einen Brief, ihre Hände zitterten leicht. Gespannt, wie ich reagieren würde musterte sie mich, das Lächeln verblasste noch immer nicht. Ich ließ meine Augen über die gedruckten Buchstaben gleiten, die davon sprachen, dass sie beim Programm angenommen worden wäre und sich die Administration schon mit ihren Eltern in Verbindung gesetzt hätte. Dass sie schon freudig erwartet würde und ihr Zimmer für sie bereitgestellt worden wäre. Am oberen Rand war der Stempel des Programms platziert, der untere Teil war mit der großen, geschwungenen Unterschrift des Leiters versehen.
Isa nahm mir den Brief wieder ab und faltete ihn behutsam zusammen. Ich lächelte sie aufrichtig an. Auch ich würde bald diesen Brief bekommen, es war nicht mehr lange zu warten. Wie lange noch ganz? Ich rechnete in meinem Kopf die Wochen durch, es müsste nicht mehr ganz ein Monat sein.
Isa stand nochmal auf, fragte, welchen Tee ich wollte und verließ dann das Zimmer für einige Minuten. Ich rollte mich auf dem Bett zusammen und schaute wieder zum flimmernden Bildschirm. Das Programm war bis ins Detail erklärt. Neue Karriereoptionen, ganz neue Lerntechniken. Technologien. Verfahren. Die renommierten Professoren, die Erfolgsquote. Dafür besuchten wir seit ich denken kann eine Samstagsveranstaltung, die uns auf das Programm vorbereiten sollte. Nur sehr wenigen Menschen wurde tatsächlich die Ehre zuteil, daran teilzunehmen, Isa und ich waren zwei davon. Die Gesundheitsuntersuchungen und die Hausbesuche waren schon längst Routine, ständig wuselte einer von ihnen um mich und meine Eltern herum.
Ein Lächeln zierte meine Lippen. Ja, die Programm Mitarbeiter waren wie eine Familie für mich. Eigentlich für jeden von uns. Morgen würde eine bei der Veranstaltung fehlen, mit dem 18ten Lebensjahr, das Isa morgen erreichen würde, endete die Vorbereitung und sie war von da an Teil des Programms. Die kommende Zeit würde für sie sehr aufregend werden und auch ich konnte es kaum abwarten, bis sie mir schrieb, dabei war sie ja noch nicht einmal weg.
Als Isa mit den dampfenden Tassen ins Zimmer trat, zitterten ihre Hände noch immer so sehr, dass ich befürchtete, sie würde den Inhalt über dem Bett verschütten. Doch sie konzentrierte sich und die warme Decke blieb verschont. Ich nahm ihr eins der Gefäße ab und verbrannte mir prompt die Hände. Während wir warteten, dass der Tee etwas abkühlte ging Isa zu einem Regal an der Wand und zog mehrere, dicke Fotoalben heraus. Sie waren bis auf die letzte Seite mit Erinnerungen und Momentaufnahmen gefüllt, zwischen den Seiten lugten Papierstücke und Lesezeichen hervor. Ihre Einbände waren abgegriffen und auch ich hatte sie schon so oft in den Händen gehalten. Isas warme, braune Augen strahlten als sie die erste Seite aufschlug und mich mit auf die Reise durch unsere gemeinsamen Abenteuer und Erlebnisse nahm.

***
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BlackWhite
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mi Mai 23, 2012 6:13 pm

Okay, ganz unerwartet kommt hier mal meine Kritik.

Der Anfang gefällt mir schonmal richtig gut! Er macht direkt neugierig auf mehr !
Man weiß halt am Anfang noch nicht so wirklich, worum es geht und was das für ein programm sein wird, aber das wird sicherlich alles noch ausführlich erklärt

Ich finds schön, dass du in der Ich-Perspektive geschrieben hast. Gefällt mir viel viel besser

PS: Super! Absätze! Wie ich mich freue xD Das erleichtert die Sache ;D
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Kolibri
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 12:03 pm

Das klingt echt interessant!
Ich kann mich nur anschließen, der Anfang deiner Geschichte macht neugirig, da du nicht sofort alles genau erklärst. Über dieses Programm erfährt man nur nach und nach etwas, das macht es irgendwie schon jetzt etwas spannend.
Dein Schreibstil gefällt mir auch sehr und die ich-Perspektive: Find ich immer super, weil ich selber zu blöd dafür bin. Razz
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Faules_Kätzchen
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 1:33 pm

Oh ja, die Absätze gefallen mir auch! Very Happy Es gibt ja hier auch ein paar Experten, die immer riesige Textblöcke ohne Absätze schreiben...
Und wie BlackWhite und Kolibri schon gesagt haben, find ich auch dass der Anfang auf jeden Fall neugierig macht Smile Irgendwie hab ich jetzt schon das Gefühl, dass sich hinter diesem Programm irgendwas Bösartiges verbirgt, das man aber nicht auf den ersten Blick erkennt. Und das alle Jugendlichen so darauf abfahren, kann doch nur an der Propaganda liegen... Also ich bin auf jeden Fall schon mal gespannt, ob sich meine Gehirnwäsche-Theorie bestätigt und was bei diesem Programm so abläuft! Wink
Und bevor ich's vergesse, muss ich noch kurz ein Lob für deine Rechtschreibung aussprechen ^_^ Ein paar kleine Flüchtigkeitsfehler sind zwar dabei, aber insgesamt ist es ganz erholsam, beim Lesen nicht ständig über Fehler zu stolpern Very Happy
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BlackWhite
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 2:51 pm

Faules_Kätzchen schrieb:
Oh ja, die Absätze gefallen mir auch! Very Happy Es gibt ja hier auch ein paar Experten, die immer riesige Textblöcke ohne Absätze schreiben...
Und wie BlackWhite und Kolibri schon gesagt haben, find ich auch dass der Anfang auf jeden Fall neugierig macht Smile Irgendwie hab ich jetzt schon das Gefühl, dass sich hinter diesem Programm irgendwas Bösartiges verbirgt, das man aber nicht auf den ersten Blick erkennt. Und das alle Jugendlichen so darauf abfahren, kann doch nur an der Propaganda liegen... Also ich bin auf jeden Fall schon mal gespannt, ob sich meine Gehirnwäsche-Theorie bestätigt und was bei diesem Programm so abläuft! Wink
Und bevor ich's vergesse, muss ich noch kurz ein Lob für deine Rechtschreibung aussprechen ^_^ Ein paar kleine Flüchtigkeitsfehler sind zwar dabei, aber insgesamt ist es ganz erholsam, beim Lesen nicht ständig über Fehler zu stolpern Very Happy

Da muss ich auch nochmal zustimmen, sowohl die Sache mit der Rechtschreibung als auch die Sache mit dem Programm. Da MUSS doch was Böses hinterstecken xD Naja, wir werden sehen (hoffe ich..)
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Eisflackern
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 4:49 pm

Aaaaah, Kommentare Very Happy
Viele Dank Leute, ihr wisst gar nicht, wie sehr mich das freut Very Happy

Dann gehts direkt schonmal weiter, ganz viel Spaß beim Lesen Smile

Liebe Grüße, Eisflackern <3

Ich wachte davon auf, dass die wärmenden Sonnenstrahlen meine Lieder streichelten und mit zuflüsterten, dass ein neuer Tag begonnen hatte, den ich nicht verpassen sollte. Nur langsam tauchte ich in die Welt ein, noch halb in den Tiefen des Schlafs versunken. Ich drehte mich auf die andere Seite und die kalte Luft, die über meine Beine strich verriet mir, dass ich mich halb aufgedeckt hatte. Tatsächlich stellte ich fest, dass ich halb aus dem Bett hing, das ich mir mit drei aufgeschlagenen Alben teilte. Ich richtete mich verschlafen auf und griff mir in die Haare, dann sah ich mich um. Wir müssen wohl eingeschlafen sein. Wie spät ist es? Ich blickte auf den Wecker, der zusammen mit zwei leeren Tassen und einem Stapel Bücher auf dem Nachttisch stand. 12:16 zeigte die Anzeige. Es dauerte nun einige Momente, bis mein dösiges Gehirn diese Information verarbeiten konnte, aber schließlich fiel der Groschen und ich sprang auf. Nein! Isa ist schon weg! Ich machte einen Satz zum Fenster aber wie erwartet war die Einfahrt leer. Enttäuscht drückte ich meine Stirn gegen die Scheibe und verharrte einen Moment. Wir hatten uns nicht verabschiedet, sie hatte ihr Zimmer genauso hinterlassen wie es war, als ich gestern kam. Nur der Bildschirm war jetzt dumpf schwarz und einige Taschen fehlten, die gestern noch abfahrtsbereit neben der Tür gestanden hatten. Teils fühlte ich mich schuldig und verfluchte mich für meinen tiefen Schlaf. Andererseits hätte Isa mich ruhig wecken können. Nun war es zu spät…
Plötzlich erspähte ich ein rosafarbenes Blatt Papier mitten auf dem Teppich, das ich bisher übersehen hatte. Eilig hob ich es auf und las die Zeilen.

Liebe Vik.
Wenn du das hier liest, sitze ich wahrscheinlich schon im Zug, du Langschläferin.

Ich musste schmunzeln, sie kannte mich einfach zu gut.
Ich werde dich furchtbar vermissen! Aber ich schreibe dir sobald ich angekommen bin. Bald sind ist es auch für dich soweit, ich kann es kaum erwarten. Vergiss mich nicht und grüß deine Eltern nochmal,
Liebe Liebe, deine Isa


Hinter ihren Namen hatte sie ein Herzchen gemalt und anschließend hatte sie einen dicken Lippenstift Schmatzer auf dem Zettel hinterlassen. Einen kurzen Moment schwankte ich zwischen Euphorie, Rührung und Trauer darüber, dass sie jetzt weg war. Wirklich weg. Ohne wieder zu kommen. Aber ich war guter Dinge sie ja doch so bald wiederzusehen und freute mich einfach für sie. Noch in Gedanken versunken hatte ich mich wieder ans Fenster gestellt, als mir plötzlich einfiel, welcher Tag heute war und, dass ich schon seit über einer viertel Stunde bei meiner vorbereitenden Veranstaltung hätte sein müssen. Hektisch und genervt darüber, wie der Morgen bereits begonnen hatte, steckte ich den Abschiedsbrief von Isa in meine Hosentasche und verließ das Haus – diesmal durch die Tür.

***

Eine halbe, verhetzte Stunde später stand ich vor einem grauen, abweisenden Gebäude, das ich dennoch mit glücklichen Gefühlen verband. Ich trat durch die milchige Glastür und bat den Aufzug mich in den fünften Stock zu tragen. Er ratterte und ächzte und setzte sich dann geräuschvoll in Bewegung. Als ich von dem tristen, schon fast baufälligen Korridor durch die Eingangstür trat, war es, als würde ich in ein neues Zeitalter eintauchen. Die Räume waren hochmodern eingerichtet und mit der neusten Technologie bestückt. Im Boden versenkte, tellergroße Lampen warfen faszinierende Lichtspiele an die Decke und die Pflanzenkübel, deren Gewächse jeden Raum mit einem lebendigen Hauch beseelten, waren in Chrom gefasst und funkelten. Ich vernahm den sterilen und doch, wie ich fand, leicht süßlichen Geruch der Räumlichkeit und begrüßte die Angestellte, die hinter einer Rezeption eifrig auf eine flache Tastatur hämmerte, auf der blaue Buchstaben und Zahlen leuchteten. An der Wand hinter ihr lief ein Dauerspot des Programms rauf und runter, das sein Hauptmerk auf Schönwetterszenarios und überglückliche Menschen gelegt hatte. Jugendliche lagen auf einer Wiese, wie sie nicht grüner hätte sein können und im Hintergrund entpuppten sich die Farbtupfer, die das Gras sprenkelten bei näherem Betrachten als prächtige, bunte Blumen. Im nächsten Bild sah man gleißenden Sonnenlicht, dass die Institution wie ein Film umschloss und dem Bild eine warme, harmonische Note verlieh. Dazu war immer wieder der Werbeslogan zu sehen, der sich die Aufmerksamkeit zusammen mit anderen, motivierenden Zeilen teilte, die sich ab und zu ins Bild schlichen um anschließend erneut zu verblassen.
Auch diese Bilder waren nur zu vertraut, genauso wie die beruhigende Musik, die aus kleinen Boxen kroch, die jeden Raum mit ihren wohltuenden Klängen beglückten.
Die Frau an der Rezeption hakte meinen Namen in den virtuellen Weiten des Computersystems ab und warf einen kurzen Blick auf die Uhr, beließ es aber bei einem Lächeln und zwinkerte mir versöhnlich zu.
„Dr. Manse wartet schon in Zimmer drei auf dich, Vik.“, sagte sie freundlich. Ich nickte und begab mich zu Dr. Sofia Manse.

„Du hast abgenommen, Vik“. Die Doktorin sah mich mit einem besorgten, fürsorglichen Blick an und umgriff mein dünnes Handgelenk mit ihren warmen, weichen Händen. Ein Stethoskop baumelte locker um ihren Hals und ihre langen, blonden Haare waren zu einem strengen Zopf zusammengeflochten, der ihr über die Schulter fiel. Sie drehte sich um und gab einige Daten meinerseits in den PC ein, dem wirklich kein Detail meines Körpers verwehrt wurde. Er kannte mein Gewicht, meine Größe, meinen Körperfettgehalt, meine Hautfeuchtigkeit, meine Sehstärke und sonst jede scheinbar noch so unwichtige Kleinigkeit, die meine Verfassung und Gesundheit belangte. Ein medizinisches Tagebuch, das Wöchentlich gefüttert wurde und das meinen physischen Werdegang perfekt wiedergab. Doch nicht nur meinen, er kannte all jene Daten der zukünftigen Programmteilnehmer und spuckte sie aus, wann immer Dr. Manse danach verlangte. Nun drehte sich diese auf dem rollbaren Stuhl um und nahm die randlose Brille ab.
„Deine Werte sind alle in Ordnung, jedoch solltest du aufpassen, dass du nicht noch weiter abnimmst. Ich werde dir eine Tabelle mit Nährwerten zusammenstellen, an die du dich halten wirst“ Sie lächelte mich an, doch ihre Stimme klang bestimmt und streng. Mein Kopf nickte gehorsam. „In den nächsten Wochen werden wir die Fitness Tests noch einmal wiederholen, die du schon letzten Sommer gemacht hast.“ Ich konnte mich noch gut daran erinnern. Es hatte Spaß gemacht zu testen, wie lange ich laufen konnte und wie mein Puls bei Anstrengung zu tanzen und zu wachsen begann. Dann klopfte mein Herz so wunderbar schnell, dass ich manchmal gar nicht mitkam, die Schläge zu zählen. So schnell, als könnte es mit bloßen Trommelschlägen alles um mich herum verlangsamen. Die Zeit schien dann zu schmelzen und verfloss träge und dickflüssig, während ich darüber hinweg flog. Zeitlos.
Das war auch der Grund dafür, wieso ich so gerne lief. Es war ein sonniger aber glücklicherweise nicht drückend heißer Nachmittag vor etwas weniger als zehn Jahren. Mein Vater nahm mich mit zum Laufen, wie er es zu gern tat. Der ganze Sommer hatte schon diese sengende Hitze gehabt, die einem die Luft wegdrückt und wie eine unsichtbare Last die Lungen zusammenpresst. Die Haut brannte schon nach wenigen Minuten an der frischen Luft, die sich zu keinem noch so sachten Lufthauch aufraffen konnte, der Kühlung versprach. Die ganze Stadt schwitzte gemeinsam und die Menschheit überflutete die Eisdielen und schattenspendenden Orte, wenn sie sich generell noch aus dem Haus wagte und nicht von drinnen das Höllenfeuer abwartete.
Doch an diesem Tag, es war ein Donnerstag, schien es, als wäre das Feuer des Sommers langsam ausgebrannt und der Wind hätte es endlich geschafft seine Trägheit abzulegen und die ausgeblichenen, verbrannten Blätter der Baumkronen zum Rascheln zu bringen. Mein Vater nahm mich also mit nach draußen und wir liefen durch den Park, in dem sich die Massen tummelten. Doch es war so schön, die Zweisamkeit zu genießen und unserem gemeinsamen Atmen zu lauschen, wie meiner immer schneller wurde und erfolgreich versuchte, die gleichmäßigen, beruhigenden Luftzüge meines Vaters zu überholen. Um ehrlich zu sein, konnte ich schon nach wenigen Minuten nicht mehr, doch mein Ehrgeiz war geweckt und so wurde es fast schon eine Tradition, dass wir zusammen liefen.
Ich wurde von dem Brummen und Fiepen des Druckers aus den Gedanken gerissen, der eine Tabelle ausspuckte. „In dieser Spalte stehen die Nährwerte“, Dr. Manse deutete auf das Blatt, das sie mir entgegen streckte, „und hier sind Nahrungsmittel aufgelistet, durch deren Verzehr du deinen Bedarf ganz leicht decken kannst.“ Sie lächelte mich freundlich an. „Ich kann mich doch darauf verlassen, dass du deine Anweisungen befolgen wirst, nicht wahr?“
Meine Augen betrachteten ihre ewig lächelnden Lippen, während mein Kopf sich eifrig auf und ab bewegte. Diese Frau wusste am besten, was gut für mich war, sie betreute mich schon seit Jahren – erfolgreich.
Sie trug mir noch auf, meine Eltern zu grüßen, als ich den Raum verließ und kurz darauf an eine andere Tür klopfte.
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BlackWhite
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 5:05 pm

Wieder sehr schön. Diese sterilen Dingis kommen einem schon komisch vor, die Ärztin wirkt auf mich erstmal freundlich, aber irgendwie auch falsch o_o bin wirklich gespannt, wie es weitergeht

Hauptsache Isa hat die nicht geweckt ._. voll fies :O
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 24, 2012 8:27 pm

Ich kann mich wieder nur anschließen. ^^
Ich denke auch, dass das alles mit dem Programm nicht so perfekt sein kann, wie es wirkt.
Und das anhaltende Lächeln der der Ärztin... sie wirkt auch irgendwie etwas verdächtig.
Mir fällt auch grad positiv auf, dass mir der Hauptkarakter sympatisch ist. Das ist für mich eigentlich am wichtigsten.
Also, gute Arbeit! Wink

PS: Hübsches Profilbild.
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Eisflackern
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Mai 26, 2012 5:02 pm

Danke und schön, dass es euch gefällt Smile ihr sag mal nichts zu euren vermutungen, ist aber cool das zu lesen Razz

Viel Spaß beim lesen und motiviert noch die anderen zu antworten.

@ Black..: ich schreibe dir nachher nen kommentar, bin noch bei meinem Freund Wink

Liebe Grüße. Eisflackern <3

PS: danke Smile

Wenig später saß ich bei den Anderen um einen großen, weißen Tisch herum. Ich hatte meinen Blick zuerst leicht verlegen gesenkt, weil ich schon eine ganze Weile zu spät war, doch auch Henrick, der Zuständige für diesen Bereich, war nicht wütend gewesen, sondern hatte die Angelegenheit mit einem Handwisch vom Tisch gefegt. Es war üblich, dass hier nie Jemand wirklich aufgebracht oder sauer war. Kleine Fehler wurden verziehen, es war niemand nachtragend oder anstrengend. Zuvorkommen und Freundlichkeit, Höflichkeit wie Sitte waren Themen von zentraler Bedeutung für die Mitarbeiter des Programms. Die meisten der Angestellten waren sehr junge Menschen, so auch der dunkelhaarige Henrick, den ich auf Ende zwanzig schätzte. Als ich mich zu meinen Freunden gesetzt hatte, lag schon ein dünner Bogen Papier für mich bereit und Henrick schob mir einen Stift zu. Ich hob den Blick von dem Bogen um festzustellen, dass alle schon eifrig am Ankreuzen und am Schreiben waren.
Also senkte auch ich meine Augen wieder auf den kleinen Stapel der Blätter, die die Lösung verschiedener Aufgaben von mir verlangten. Aber diese hier waren nicht wie Schulaufgaben, die ansprechend und witzig gestalteten Logik und Intelligenztests machten uns für gewöhnlich sehr viel Spaß und die Stunde verflog im Flug. Zwischendurch konnte man sich frisches Obst nehmen, die in silbernen Schalen in mitten des Tischs platziert war. Es war mit kleinen Tröpfchen überzogen und leuchtete in den prächtigsten Farben, dass fast keine Sitzung verging, ohne, dass ich mindestens einen Apfel aß. Und so griff ich auch heute nach der knackigen Frucht und ließ sich die Süße des Fleischs auf meiner Zunge ausbreiten. Gleichzeitig lauschte ich der leisen, beruhigenden Musik und arbeitete mich flüssig durch die Aufgaben hindurch. Tatsächlich war ich eine der ersten, die abgab, obwohl ich mich nicht beeilt hatte und später gekommen war als der Rest von uns. Doch es war meistens so, dass ich mich leicht tat, die verschiedenen Fragen zu lösen und mich mit kreativen und schnell gefundenen Ergebnissen um ein Blatt nach dem anderen erleichterte.
Natürlich verbrachten wir nicht jede Sitzung mit solchen Tests, oft unterhielten wir uns auch einfach nur über unsere Pläne fürs Wochenende oder über aktuelle Themen. Der Umgang miteinander war vertraut und ich hatte noch nie das Gefühl gehabt, dass ich mit meinen Anregungen oder Sorgen auf taube Ohren stieß. Insgesamt waren heute acht Stühle besetzt, ausgenommen von Henricks. Isas Platz war leer, einen kurzen Moment blieben meine Augen an ihm hängen, doch dann erinnerte ich mich daran, dass es ihr gut ging und ich mich für sie freute.
Henrick sprach noch einige motivierende Worte, die uns durch die nächste Woche begleiten sollten und schenkte jedem von uns sein hellstes Lächeln, dann verließ ich die Runde und trat zurück in die graue, dumpfe Welt.


das war jetzt das komplette 1te kapitel Wink
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Mai 26, 2012 5:08 pm

Wieder einmal ein sehr sehr schöner Auszug
Es ist ein total toller Schreibstil und man hat immer mehr Verdächte (ist das überhaupt der Plural von Verdacht? XD) auf böse Machenschaften XD Diese Freundlichkeit ist doch bestimmt nur gespielt und dieses Obst...ist das vergiftet oder flößt denen irgendwas anderes ein?
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Eisflackern
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mo Mai 28, 2012 4:32 pm

Danke schön Smile Kleiner tipp, deine vermutungen sind nicht ganz falsch Razz rätsel nur mnal weiter.

Viel Spaß beim lesen und liebe Grüße, Eisflackern <3

Kapitel 2

Weder der weitere Verlauf des Tages, noch die tristen Stunden der nächsten erbarmten sich zu einem Lichtstrahl, der durch die dichten Wolken brach, die sich am dunklen Himmel lückenlos aneinander drängten. Die Luft war schwül und drückend, keiner der Tage, die so leuchteten, auf den Bildern des Programms. Obwohl es eher dunkel war, schwitzte man und mein langes Haar begann, am meinem Kopf zu pappen. Ich hoffte auf Regen, der die stehende Luft etwas aufwühlen würde und die dreckigen Straßen reinwüsche, aber er blieb aus – vorerst.
In der nächste Woche änderte sich das Wetter kaum. Es gab einige Lichtblicke, wenn die Wolkenmasse sich auftat und einen kleinen, blauen Hoffnungsschimmer freigab, doch ich saß jedes Mal in einem der stickigen und beengenden Klassenräume und ließ mich von den, wie mir schienen, leeren und bedeutungslosen Texten der Lehrer berieseln. Sie schienen abgenutzt und ausgewrungen und waberten nur halb beachtet durch meinen Kopf, der mit anderen Bildern gefüllt war und sich generell nicht konzentrieren konnte. Die Luft war verbraucht und die Menschen um mich herum fast alle uninteressant – viel lieber verbrachte ich meine Zeit mit meinen Freunden. Klar, es gab auch einige, mit denen ich mit gut verstand und die dieselbe Schule besuchten, doch im Großen und Ganzen ließ ich die Stunden in dem langweiligen Backsteingebäude eher über mich ergehen, als dass ich sie als Möglichkeit sah, meinen Horizont zu erweitern und mein Wissen aufzustocken. Der Unterricht ließ so viele Aspekte ungenutzt, die mir wichtig erschienen. Ich habe mich noch nie wohl gefühlt in den Käfigen, die nach Stress, alten Büchern und Gummiboden rochen. Isa und ich hatten uns einige Male darüber unterhalten, doch meine Meinung blieb festgefahren. „Die einengenden Unterrichtsmethoden lassen uns doch keine Lücken für freie Entfaltung!“, hörte ich mich erneut zu ihr sagen. Ich fühlte mich beklommen und missachtet. Nicht wichtig als Individuum, sondern nur als Teil eines Ganzen. Das wusste Isa auch, doch sie war ein ausgeglichener und ruhiger Mensch, den nichts so schnell aus ihrer Mitte warf. Sie gab sich zufrieden damit, zum Mosaik zu gehören und nicht als einzelner Stein zu funkeln. Aber genau das war der Punkt, den ich am meisten ablehnte. Vielleicht war es deshalb, weil ich verwöhnt worden bin im Programm, vielleicht, weil meine Eltern mich zu etwas besonderem erzogen haben. Doch die Daten und Regeln der Schule unterdrückten jede Regung zu Kreativität und Unvollkommenheit. Es gab nur Falsch oder Richtig, keine Hilfe, die wirklich wichtigen Lernprozesse anzugehen, wie Objektivität oder sich manipulationsfrei eine Meinung zu bilden. Keine Meinungen gelehrt zu bekommen. Doch natürlich kam ich nicht drum herum, knappe zwölf Jahre Lehrplan genießen zu müssen und fraß, was sie in mich hineinzwangen. Oft hatte ich mich gefragt, wozu ich überhaupt hin ging, wenn ich nicht mal einen Schulabschluss erreichen wollte. Ich würde 18 werden und ein neues Lebenskapitel aufschlagen, bevor meine Schulzeit vorbei war und nicht selten flüsterten mir enthusiastische und ideenreiche Gedanken zu, ich solle lieber meine kostbare Zeit mit etwas sinnvollerem verbringen. Aber natürlich konnte ich diesen Stimmen nicht nachgehen, am Ende zählte der Wissensberg, den ich mir dann – hoffentlich – angehäuft hatte als essentiell für meinen weiteren Werdegang. Henrick scheute auch nicht zu wiederholen, wie wichtig die Schule für unsere emotionale Entwicklung sei und wir gut daran täten, so viel wie möglich davon mitzunehmen. Aber ich war mir fast sicher, dass er insgeheim auch eine andere Meinung hatte, es konnte eigentlich nicht anders sein.
Und gerade heute viel es mir schwer, nicht einzuschlafen, wo doch Isas Platz neben mir leer blieb. Sie war meistens diejenige gewesen, die mich Tag für Tag anspornte, den Schulinhalt als interessant und anregend zu betrachten, auch wenn es nicht oft gelang.
Als die Schulklingel sich endlich dazu erbarmte zu ertönen, konnte ich mir kein lieblicheres Geräusch vorstellen und verließ rasch das Gebäude, das mich so sehr blockierte. Ich teilte meinen Fußweg mit Jagu, einem guten Freund von mir, der die finsteren Wolken genauso flehend ansah.
„Es kann eigentlich nicht mehr lange dauern“, sagte er mit einem Blick nach oben. Ich nickte, die Schattierung des Himmels hatte sich von einem matten grau zu einer Farbe geändert, die den Schiefersteinen ähnelte, die den Weg säumten. Komm schon!, betete ich. Die unbewegte Luft ließ mich erschlaffen und raubte mir die Lust an jeglichen Dingen. Jagu unterbrach mein innerliches Flehen.
„Sag mal, Vik… Stimmt das jetzt wirklich, dass Isa bei diesem Dings ist und du da auch hingehst?“, er kickte einen Stein vom Weg. Jagu war nicht Teil des Programms und hatte oft so seine Zweifel.
„Ja, sie ist letzte Woche abgereist. Ich gehe auch, wenn ich 18 werde.“, erwiderte ich.
„Aber ich versteh nicht, warum ihr einfach so die Schule schmeißt? Ich meine, du hast doch nur noch ein Jahr.“, er schaute mich nachdenklich an. „Du kannst doch immer noch gehen, wenn du dein Abitur hast... Ich kann das nicht nachvollziehen.“ Er schüttelte seinen Kopf und richtete seinen Blick wieder nach vorne.
Ich merkte, wie ich unruhig wurde, mir gefiel es nicht, dass er das Programm in Frage stellte. „Ich reise an meinem 18ten Geburtstag ab und das ist auch gut so. Die Schule hat schließlich auch nichts dagegen, außerdem brauche ich keinen Abschluss mehr, wenn ich professionell im Programm ausgebildet werde. Die Ausbildung da ist allemal besser als die in unserer drecks-Schule.“, die Worte waren mehr gespuckt als gesprochen und sofort tat es mir ein wenig leid. „Ich verstehe deine Zweifel auch, Jagu. Aber du kennst die Menschen nicht, mit denen ich zusammenarbeite. Ich freue mich einfach schon so lange auf den Tag, an dem ich aufwache und denke <Heute ist es soweit!>.“, fügte ich schnell noch hinzu. Er atmete geräuschvoll aus.
„Aber Vik. Das ist alles irgendwie so seltsam, wieso sollte die Schule dich einfach so, mitten im Jahr und das dazu noch so kurz vor deinem Abschluss gehen lassen? Was haben deine Leute überhaupt mit unseren Lehrern zu tun?“ Jetzt fokussierte er mich fordernd, sein Blick dringlich und verständnislos.
„Das Programm ist sehr gut mit unserer Schule gestellt. Einige von den Mitarbeitern kennen den Direktor sogar persönlich. Und weißt du was? Die Schule ist begeistert davon!“, zischte ich. Ich redete mich in Rage, fühlte, wie ich ihn für diese Fragen am liebsten verabscheuen würde, dabei war er doch mein Freund. Aber wieso war er dann so dumm? Es wollte nicht in meinen Kopf rein, woher seine Zweifel rührten und wieso er meine Wünsche nicht einfach hinnahm. Im Gegenteil, es schien mir plausibel, dass er sich auch bewerben würde.
Langsam lockerte ich meine zu Fäusten geballten Hände und merkte, dass sich meine Nägel schon tief in mein Fleisch gebohrt hatten. Ich schluckte und sah zu Jagu, der gar nicht erst versuchte mich zu verstehen und sein Gesicht, das sonst so viel Güte ausstrahlte wirkte verstimmt. Aber es sah nicht so aus, als würde er noch etwas erwidern.
Ich glaubte noch ein gemurmeltes „Tu einfach was du willst“ gehört zu haben und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ein dicker Tropfen auf meinem Arm zerplatzte. Na endlich, freute ich mich und spürte, wie meine Wut verrauchte. Immer mehr Regentropfen trafen auf meine erhitzte Haut und verfingen sich in Jagus Dreads, färbten mein T-Shirt dunkel und bildeten Rinnsale, die durch Furchen des Kieses flossen. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und genoss die Abkühlung, genoss, wie sie mich beruhigte und die Angespannte Stimmung löste. Als ich nun zu Jagu schaute, lachten seine Augen und das Gespräch kam mir lächerlich und unwichtig vor. Dieser Augenblick konnte nicht zerstört werden, nicht von Banalitäten und Hitze.
Als unsere Wege auseinanderliefen umarmten wir uns und Jagu sagte, dass er mich vermissen werde. Ich mochte ihn gern und schämte mich innerlich weil mir in diesem Augenblick klar wurde, dass ich noch gar nicht darüber nachgedacht hatte, jemanden zu vermissen. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, mich auf die Abreise und die Zukunft zu freuen, dass ich keinen Gedanken an Verlust verschwendet hatte. Ich speiste ihn damit ab, dass ich ja noch hier wäre und hoffte, dass er mein vor Peinlichkeit errötendes Gesicht nicht falsch deuten würde, dann verschwand ich hinter meinem schützenden Zaun.
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mo Mai 28, 2012 5:05 pm

Wieder einmal sehr schön und wieder einmal scheint einem das Programm richtig fies zu sein. Werden die da irgendwie hypnotisiert oder anders manipuliert. Die regt sich ja schon bei den kleinsten Zweifeln am Programm auf. Jedenfalls alles in allem wieder einmal sehr spannend und schön beschrieben. Man kann sich wirklich gut in die Hauptperson hineinversetzen, weil du ihre Gedanken und Gefühle so schön beschreibst (=
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Kolibri
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mo Mai 28, 2012 9:33 pm

Ich kann mich BlackWhite nur voll und ganz anschließen. Das Programm zerstört die Persönlichkeiten. Auf mich wirkt es auch so, als wenn dieses Programm mit positiven Aspekten vollgestopft ist(die überfreundlichen Mitarbeiter, die tollen Fragebögen mit dem leckeren Obst, die sonnigen Plakate...), die sich im Unterbewusstsein der Jugendlichen festsetzen. Dann können die Kinder nur noch positives in Verbindung mit dem Programm setzen und setzen alles positive in Verbindung mit dem Programm.
Auch die Gefühle und Auswirkungen dieser Gefühle beschreibst du echt gut, es kommt sehr realistisch rüber.
Weiter so!

LG Kolibri
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Di Mai 29, 2012 8:54 pm

Danke ihr lieben Smile

Es freut mich, dass es euch so gut gefällt. das mit den gefühlen kommt bei mir bestimmt auch durchs rpg ^^
Mein pc hat im moment ne macke, deswegen muss ich schaun, wann ich was neues hochladen kann, mit glück aber noch heute oder morgen Wink

Liebe grüße, Eisflackern <3
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Di Mai 29, 2012 10:16 pm

Mensch, warum seid ihr alle in meiner Abwesenheit so aktiv? :'D
Hab jetzt auch mal mit lesen nachgeholt ;D
Und ich muss sagen, es kommt mir auch alles immer verdächtiger vor... dieses Programm erinnert mich immer mehr an die NS. O_O So mit der ganzen Propaganda und Schönmalerei (ich sag nur "Kraft durch Freude"), und im zweiten Kapitel merkt man ja schon sehr deutlich, wie sehr das Programm Vik's Gedanken manipuliert hat. Aber ihr scheint das ja gar nicht klar zu sein.
Ganz schöne Ironie: Sie bemängelt an der Schule, dass da ihre eigene Meinung nicht zählt, und merkt nicht, dass sie sowieso gar keine eigene Meinung mehr hat wegen dem Programm, das sie so glorifiziert. Jaja, Jugendliche sind eben immer die leichtesten Opfer von Gehirnwäsche...
Bin mal gespannt, wie es weitergeht und hoffentlich wird Vik irgendwann klar, dass das Programm nicht 100%ig gut sein kann (denn was ist schon komplett gut?).
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mi Mai 30, 2012 10:30 pm

So, es geht weiter Smile
nochmals danke für die lieben Kommentare Smile

Viel spaß beim Lesen und liebe Grüße, Eisflackern <3

Es schüttete wie aus Eimern und als ich die Haustür schloss und die laute Geräuschkulisse des Regens sich dumpf in den Hintergrund einbettete, schälte ich mich aus meiner triefenden Kleidung. Ich wollte den Regen auskosten und laufen gehen, hatte schon meine Trainingshose angezogen, als ich meine Eltern im Wohnzimmer reden hörte. Ihre Stimmen waren gedämpft und ich konnte mir gut vorstellen, dass sie mich nicht im Flur bemerkt hatten, doch ich wurde hellhörig.
„Ich denke es wäre besser, es ihr noch zu sagen. Die Gelegenheiten werden sowieso immer seltener und ich möchte, dass sie es erfährt.“, egal von was genau mein Vater gerade sprach, es ging eindeutig um mich. Ich trat einen Schritt näher zur Tür und lauschte gebannt, um die Antwort meiner Mutter zu hören.
„Ich bin mir nicht sicher. So kurz vor der Abreise kann es doch so bleiben wie immer. Sie ist ja nicht für alle Zeiten weg. Wir sollten noch warten.“
„Womit warten?“, meine Stimme drang in die private Atmosphäre ein, doch ich wollte nicht heimlich hören, was sie scheinbar vor mir verbargen. Wenn sie es wollten, konnten sie es gerade heraus sagen. Meine Eltern wirkten einen kurzen Moment irritiert und tauschten einen Blick, nur ein Bruchteil einer Sekunde, doch er entging mir nicht. Nervosität zierte die blauen Augen meiner Mutter und sie presste den Kiefer zusammen. Der Moment schien mir verkehrt und seltsam, ich konnte weder die Worte, noch das Verhalten der beiden richtig deuten. Mein Vater brach die Stille.
„Also, meine Kleine, pass auf. Wir haben dir etwas vorenthalten. Weißt du, deine Mutter und ich planen seit längerem eine Reise… Es soll losgehen, wenn du im Programm bist und wir haben nicht vor, so bald wieder zu kommen.“ Er setzte ab und befeuchtete seine Lippen. Ich stutzte und suchte in meinen Erinnerungen einen Anhaltspunkt, an dem ich eine geplante Reise festmachen konnte, doch erfolglos. Die ganze Aktion schien mir zu spontan, um zu meinen sesshaften Eltern zu passen, die schon ihr ganzes Leben in diesem Kaff verbracht hatten. Ich war es immer gewesen, die es in die Ferne zog, ein Verlangen und Wunsch, den keiner von ihnen je hatte nachvollziehen können. Ich wollte alles sehen, fühlen, ausprobieren. Die beiden konzentrierten sich lieber auf das beständige, das vertraute und lebten in der Gewohnheit. Deshalb verwunderte mich der nächste Satz noch ein ganzes Stück mehr.
„Um es kurz zu machen, Mama und ich wollen für eine längere Zeit in Neuseeland leben. Im Moment haben wir ungefähr ein Jahr im Sinn, aber das kommt natürlich auch darauf an, wie es uns gefällt und wie wir uns einleben. Nicht liebes?“ Er lächelte meine Mutter fast schon zu begeistert an. Ich war mehr als irritiert. Es war nicht leicht sich vorzustellen, wie meine Eltern Fuß fassten in einem fremden Land, das sie bisher noch nicht einmal aus dem Urlaub kannten. Ich konnte mich nicht mit der Vorstellung anfreunden, wie sie ihre alten Freunde aus der Nachbarschaft zurück ließen, keine Skatrunden mehr spielten und meine Mutter bei einem anderen Bäcker einkaufen ging, als bei Frau Lens. Sie waren die besten Spieler in dem Spiel der Gewohnheit und nun sollte es abrupt beendet werden? Klang nach Abenteurern, aber sicher nicht nach meinen Eltern.
Meine Mutter hatte begonnen begeistert zu nicken und ich legte meine Stirn in Falten.
„Das klingt nicht gerade nach euch…“
„Wir leben schon so viele Jahre hier, es wird Zeit für etwas Neues. Wir wollen einfach mal etwas anderes sehen, das verstehst du doch bestimmt.“ Mama klang wenig überzeugend.
Statt einer Antwort hob ich eine Augenbraue. Skepsis hatte ich mehr als genug, aber ich konnte mir auch noch nach dem Laufen den Kopf darüber zerbrechen. Diesen wollte ich jetzt erstmal frei bekommen.
„Da reden wir nachher noch mal drüber. Ich bin jetzt draußen, bis später.“ Bevor ich zu Ohren bekam, dass ich mir bei dem Wetter draußen den Tod holen würde, verließ ich fluchtartig das Haus. Meine Gedanken drehten sich um die Reise meiner Eltern, doch als ich die Haustür hinter mir zu schlug und der Wind mir den Regen ins Gesicht peitschte, verflüchtigten sich die Zweifel und Überlegungen. Ich fühlte nur noch, wie gut mir der Regen tat und wie sich meine Anspannungen lösten. Mit den Gleichmäßigen Bewegungen meiner Beine und dem rhythmischen Geräusch meiner Füße auf dem matschigen Boden, verfiel ich in eine Art Trance, die mich die Anstrengungen vergessen ließ und mich immer weiter trug. Meine Haare hingen platt und nass an meinem Kopf und meine Kleidung hatte sich fest an meinen Körper gesaugt, doch all das blendete ich aus. Ich sah nur noch den mit Pfützen verzierten Weg vor mir und die Umgebung die an mir vorbei rauschte. Mein Atem war das lauteste Geräusch, das ich wahrnahm und das An- und Entspannen meiner Muskeln das einzige, worauf ich mich konzentrierte. Endlich wieder laufen und frei atmen. Ich war ganz in meinem Element. Als ich zu Hause ankam war ich außer Atem aber glücklich. Ich brauchte diese körperliche Anstrengung, um mich gut zu fühlen und der Regen hatte die Abkühlung gebracht, die er versprochen hatte. Noch bevor ich aber die Haustür passieren konnte, bimmelte mein Handy.
„Ja?“
„Hey, Vik. Hier ist Henrick. Ich bräuchte dich hier nochmal kurz im Büro, wir müssen einige Formalitäten regeln. Deine Abreise steht ja schon vor der Tür und es ist ein Brief für dich angekommen. Ginge es, dich in einer Viertelstunde hier zu treffen?“
Ich spürte, dass mich der klamme Stoff zittern ließ und ich langsam wieder auskühlte, doch Henrick musste nur seinen Namen nennen und schon war die Kälte vergessen und die Aufregung machte ich breit.
„Klar, ich bin gleich da. Tschüss.“
Noch ehe das einsame Tuten ertönte, war ich im Haus und hatte mir irgendeinen Pulli geschnappt, der mich wenigstens ein bisschen wärmen sollte. Ich pellte mich aus meiner Hose, um anschließend in eine andere zu schlüpfen und wrang meine Haare über dem Waschbecken aus, schon war ich wieder weg.
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Mi Mai 30, 2012 10:52 pm

hmm... sehr merkwürdig, wie ihre Eltern sich verhalten... ich frag mich echt, was sie Vik verschweigen! Suspect
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 31, 2012 7:17 pm

Faules_Kätzchen schrieb:
hmm... sehr merkwürdig, wie ihre Eltern sich verhalten... ich frag mich echt, was sie Vik verschweigen! Suspect

Muss ich zustimmen. Das mit Neuseeland kann ja so nicht stimmen, da steckt doch bestimmt noch was hinter! XD

Übrigens immer noch toll beschrieben. Man kann sich richtig toll in die hineinversetzen und so
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Do Mai 31, 2012 11:21 pm

Alles ganz geheimnisvoll, ich weiß, hihi Razz
Danke für die Kommentare Smile

Weiter gehts, letzter teil vom kapitel 2, viel Spaß Smile

Liebe Grüße, Eisflackern <3

Meine Uhr zeigte 5, als ich die Tür zu Henricks Büro öffnete und den lichtdurchfluteten Raum betrat. Zu meiner Verwunderung fand ich ihn leer vor. Der Computer war noch an und das perfekt geputzte Fenster einen Spalt breit geöffnet, gerade so, dass ein leichter Windhauch den Raum durchzog. Der Glastisch war mit einigen Blättern und Formularen bedeckt und an der Wand stand ein Aktenschrank offen. Ich war noch etwas außer Atem und beschloss, mich auf den Besucherstuhl zu setzen, der einladend vor dem Glastisch stand. Henrick würde sicher bald auftauchen.
Mit einem Seufzen ließ ich mich in den weichen Polstern des futuristisch designten Stuhles nieder und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Die Zeit verfloss. Ich saß gefühlte Stunden hier in diesem Raum, niemand tauchte auf, kein Geräusch deutete auf die Anwesenheit eines anderen Menschen hin. Irgendwann hatte ich die Augen wieder geöffnet und den Blick über den Raum schweifen lassen. Ich war schon oft hier gewesen, doch konnte trotzdem immer Neues entdecken. Mal blieb mein Blick an einem Foto im Regal hängen, mal an einer Zeichnung, die an der Wand hing. Ein Rabe war darauf zu sehen, der sich mit den tiefschwarzen Schwingen in die Luft hob und mit den knopfartigen Augen den Betrachter fixierte. Seine Flügel schillerten in Violett und Blau, trotz des schwarzen Mantels, der seinen Körper umhüllte.
Weitere Minuten verstrichen, als meine ziellos umherschweifenden Gedanken plötzlich etwas fokussierten. Ich beugte mich näher zum Tisch. Mitten auf dem Blätterhaufen sah ich ein Stück Papier, das mit meinem Namen bedruckt war. Die Buchstaben waren verkehrt herum, weil das Blatt scheinbar nicht von mir, sondern von einem Menschen auf dem drehbaren Stuhl mir gegenüber gelesen werden sollte. Doch sie waren so vertraut, dass ich sie auch umgedreht lesen konnte, anders als den Rest des Textes, geschweige denn der Überschrift. Was ist das?
Angestrengt versuchte ich, die verdrehten Buchstaben zu entziffern, denn warum auch immer, wollte ich das Blatt nicht anfassen. Ich drehte meinen Kopf ein wenig und Buchstabe für Buchstabe ergab die Überschrift ein Wort.
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Fr Jun 01, 2012 11:56 am

Oh-oh Surprised Ihre Eltern sind also gar nicht ihre echten Eltern? Aber das erklärt immer noch nicht, warum die jetzt plötzlich nach Neuseeland wollen... Suspect Es bleibt mysteriös! Razz
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Jun 02, 2012 3:45 pm

Uuups! Ganz vergessen zu kommentieren, als ich das gelesen hab ^^'

Gefällt mir, wenn ich mich auch Frage, ob das Absicht von dieser Organisation war, dass sie die Urkunde gefunden hat oder nicht o_o Vllt will die Agentur ja nur, dass sich Vik noch mehr auf sie verlässt, weil sie sich jetzt ja vllt von ihren Eltern ein wenig entfernt^^
Bin gespannt
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Jun 02, 2012 8:28 pm

So, Fortsetzung Smile
Danke, für die Kommentare Very Happy

Viel Spaß und liebe Grüße, Eisi <3

Kapitel 3

Ich wagte es nicht, zu atmen, nicht, mich umzudrehen oder das ganze Blatt zu lesen. Ich sah nur dieses Wort, dessen Bedeutung ich kannte und ich sah meinen Namen, der darunter stand, nicht zu leugnen und für jeden sichtbar. Die Luft war mir abgeschnürt, der Raum plötzlich bedrückend eng und die Regentropfen, die gegen die Scheibe hämmerten, dröhnten in meinem Kopf.
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Und mein Name. Eine Welle der Übelkeit überkam mich und ich sah wie meine Welt ins Schwanken geriet. Jetzt griff ich doch nach dem Formular und riss es an mich. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich gehofft hatte, dass sich meine Augen täuschten, oder ob ich nur die Gewissheit wollte. Doch die Worte hatten sich nicht geändert, da standen sie geschrieben, unbarmherzig und wahr. Angewidert schlug ich das Blatt zurück auf den Tisch und stürmte aus dem Raum, Richtung Bad. Ich stieß die Tür auf und krümmte mich über das Waschbecken, die Hände fest am Rand geklammert. Versuchte dort Halt zu finden, wo er doch gerade zu schwinden schien. Würgte. Spuckte Speichel aus meinem trockenen Mund und spürte, wie sich das Übelkeitsgefühl zu einem Knäul bündelte, das mir von innen an der Bauchdecke zog. Das warme Licht der Deckenbeleuchtung blendete meine Augen, die mich im Spiegel ansahen. Ich ließ Wasser in meine Hände laufen und spritzte es mir ins Gesicht, doch nichts veränderte sich. Unkontrollierte zitterte mein Kinn und ich war mir nicht mehr sicher, ob da Tränen oder nur Wasser an meinem Gesicht herunter liefen. Adoptiert.
Ich keuchte und zwang mich nicht zu schreien oder gegen den Spiegel zu schlagen, wimmerte und hielt dann meinen Kopf unter den Wasserstrahl – so gut es ging.
Dieser Zustand dauerte einige Zeit an. Als die erste Welle der Hysterie langsam abebbte, blieben die Verwirrung und die Verständnislosigkeit. Fragen über Fragen jagten durch meinen Schädel und tauchten mich immer wieder unter, wenn ich gerade versuchte, in der Realität an zu kommen. Warum hatten sie es mir nie erzählt? Wer waren meine wirklichen Eltern? Warum wollten sie mich nicht mehr? Lebten sie noch? Was würde sich jetzt ändern? Seit wann lebte ich bei meiner Familie? Wo waren meine richtigen Eltern?
Die Unwissenheit bereitete mir Kopfschmerzen und meine Augen brannten. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die kühlen Wandkacheln und schloss die Lider. Langsam sank ich hinunter und saß dann zusammengekauert auf dem Boden. Schlang die Arme um meine Beine und machte mich so klein es nur ging. Meine Wangen fühlten sich heiß an und mein Schädel pochte. Sie haben mich belogen. Sie haben mir was vorgemacht. Hab ich nicht das Recht zu erfahren, wer ich bin? Meine Welt lag in Scherben vor mir, tausende Erinnerungen schossen durch meinen Kopf und kamen mir alle falsch vor. Manipuliert. Ich stellte mir vor, wie ich mit zwei fremden Menschen all die Dinge erlebte, dann wie meine Eltern ein anderes Kind statt mir großzogen. Oder ich sah mich, mit einem schwarzen Balken direkt vor den Augen. Irgendwann verschwammen die Erinnerungen und schmolzen zu einem wirren Bilderstrudel zusammen, sodass ich gar nicht mitbekam, wie ich langsam wegdämmerte.

***

Als ich aufwachte, hatte ich einen faulen Geschmack im Mund, meine Augen fühlten sich verquollen an und ich fror. Henricks Hand lag warm und schwer auf meinem Rücken und er rüttelte an mir. Desorientiert und träge richtete ich mich auf und sah ihn an. Wir waren noch immer in der Toilette des Programmstützpunktes, aber da es hier kein Fenster gab, hatte ich absolut keine Ahnung, wie spät es war. Hatte ich die ganze Nacht geschlafen? Als Er sah, dass ich mich regte, atmete er erleichtert aus.
„Puh, ich dachte schon, du wirst gar nicht mehr wach“ Er grinste mich an, vermutlich, um die Stimmung zu heben.
„Wie… wie spät ist es?“
„Wir haben Viertel vor neun. Alles in Ordnung bei dir? Als ich gesehen hab, dass du nicht im Büro warst hab ich erst mal gewartet und dich dann gesucht.“
„Ja, also… Nein, eigentlich ist nichts in Ordnung.“ Ich wollte ihm sagen, was mich beschäftigte, aber irgendwie zögerte ich. Henrick war eine Vertrauensperson, ich wusste, dass ich offen mit ihm darüber reden konnte und da die Urkunde ja auch auf seinem Schreibtisch – Er wusste es die ganze Zeit! Ich stockte. Musterte sein ehrliches Gesicht. Er wartete darauf, dass ich fortfuhr, doch ich hatte mich noch nicht entschieden, wie ich den Satz beenden wollte.
Vielleicht durfte er es mir nicht sagen, weil meine Eltern das nicht wollten. Sonst hätte er mir sowas bestimmt nicht vorenthalten… Ach scheiße! Ich wusste nicht, ob ihm die Wahrheit sagen sollte, oder nicht. Eine kleine Notlüge wäre so einfach. Aber andererseits wäre es gegen unsere Prinzipien, wie hatten es nicht nötig, uns zu belügen. Isa hätte sicher gewusst, was zu tun wäre.
„Ich habe die Urkunde auf deinem Tisch gefunden. Die von der Adoption.“, hauchte ich. Das Wort fühlte sich fremd an und stolperte über meine Zunge, doch ich wagte nicht, mir Henricks Reaktion anzusehen. Dieser half mir als Antwort auf und schon fühlte ich mich an ihn gedrückt und seine Hand strich über meine Haare.
„Oh nein... Na komm, ich will dir noch was zeigen“
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Jun 02, 2012 8:46 pm

Mal wieder sehr schön! Man kann sich super vorstellen, wie schrecklich diese Situation für Vik ist und dass sie sich von ihren Eltern belogen fühlt. Wär's ein Buch, ich würds kaufen! Smile Weiter so!
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Sa Jun 02, 2012 9:19 pm

grr wo ist denn mein Kommentar schon wieder hin?? Das Eigene Geschichten Forum ist gemein zu mir!! Sad
Na ja was ich eigentlich sagen wollte...
Also ich frag mich ja nach wie vor, ob Henrick die Urkunde da absichtlich liegen gelassen hat oder nicht... Denn als Vik ihm beichtet, dass sie sie gesehen hat, scheint er ja gar nicht so überrascht zu sein. Als hätte er gewollt, dass sie sie findet. o.O
Der Typ ist echt undurchsichtig! Razz Mal sehen was er ihr jetzt noch zeigen will. Hoffentlich was positives, noch einen Schock will ich dem armen Ding nicht zumuten! Rolling Eyes
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BeitragThema: Re: Scifi Geschichte, vorläufiger Titel "DU bist die Zukunft!"   Di Jun 05, 2012 10:38 pm

So, jetzt gehts weiter. danke schön Smile

viel spaß beim lesen, liebe Grüße Eisflackern Smile

Als ich aufwachte, hatte ich einen faulen Geschmack im Mund, meine Augen fühlten sich verquollen an und ich fror. Henricks Hand lag warm und schwer auf meinem Rücken und er rüttelte an mir. Desorientiert und träge richtete ich mich auf und sah ihn an. Wir waren noch immer in der Toilette des Programmstützpunktes, aber da es hier kein Fenster gab, hatte ich absolut keine Ahnung, wie spät es war. Hatte ich die ganze Nacht geschlafen? Als Er sah, dass ich mich regte, atmete er erleichtert aus.
„Puh, ich dachte schon, du wirst gar nicht mehr wach“ Er grinste mich an, vermutlich, um die Stimmung zu heben.
„Wie… wie spät ist es?“
„Wir haben Viertel vor neun. Alles in Ordnung bei dir? Als ich gesehen hab, dass du nicht im Büro warst hab ich erst mal gewartet und dich dann gesucht.“
„Ja, also… Nein, eigentlich ist nichts in Ordnung.“ Ich wollte ihm sagen, was mich beschäftigte, aber irgendwie zögerte ich. Henrick war eine Vertrauensperson, ich wusste, dass ich offen mit ihm darüber reden konnte und da die Urkunde ja auch auf seinem Schreibtisch – Er wusste es die ganze Zeit! Ich stockte. Musterte sein ehrliches Gesicht. Er wartete darauf, dass ich fortfuhr, doch ich hatte mich noch nicht entschieden, wie ich den Satz beenden wollte.
Vielleicht durfte er es mir nicht sagen, weil meine Eltern das nicht wollten. Sonst hätte er mir sowas bestimmt nicht vorenthalten… Ach scheiße! Ich wusste nicht, ob ihm die Wahrheit sagen sollte, oder nicht. Eine kleine Notlüge wäre so einfach. Aber andererseits wäre es gegen unsere Prinzipien, wie hatten es nicht nötig, uns zu belügen. Isa hätte sicher gewusst, was zu tun wäre.
„Ich habe die Urkunde auf deinem Tisch gefunden. Die von der Adoption.“, hauchte ich. Das Wort fühlte sich fremd an und stolperte über meine Zunge, doch ich wagte nicht, mir Henricks Reaktion anzusehen. Dieser half mir als Antwort auf und schon fühlte ich mich an ihn gedrückt und seine Hand strich über meine Haare.
„Oh nein... Na komm, ich will dir noch was zeigen“
Mitfühlend sah er mich an und schob mich dann sachte aus dem Zimmer. Die Rezeption war inzwischen leer und als wir uns im Büro wieder setzten, bemerkte ich, dass es aufgehört hatte zu regnen, die Nacht aber noch nicht hereingebrochen war. Teilnahmslos starrte ich auf den Tisch, doch Henrick hatte die Urkunde sofort wieder im Aktenschrank verstaut.
Nun kramte er in dem Blätterstapel, wurde aber bald fündig. Er hielt mir den angekündigten Brief hin und ich war ein wenig verwundert, dass er mit der Hand geschrieben war. Das Papier fühlte sich besonders dick und glatt an, scheinbar sehr teuer. Ich las mir den elegant geschriebenen Text durch, der mir davon berichtete, dass sich das Programm schon sehr auf mich freuen würde und sie sehr erfreut wären über meine bisherigen Test Ergebnisse. Er war von dem Akademie Leiter persönlich geschrieben, was definitiv eine Ehre für mich war, doch so ganz konnte ich mich nicht freuen. Henrick besah mich mit einer gewissen Vorsicht im Blick, er hoffte wohl, dass der Brief mich sofort wieder glücklich zaubern würde. Doch so einfach war das leider nicht. Ich war selbst verwirrt. Zwar hatte sich meine innere Situation seit gestern nur gelegt aber nicht geändert und doch wirbelte der Text einige Glücksgefühle auf. Ich fühlte mich zerrissen zwischen der Freude und der – Verwirrung? Wut? Trauer? Es war schwer die einzelnen Empfindungen auseinander zu ziehen, wo sie sich doch bereits so sehr vernetzt und verwoben hatten. Es war ein ganzer Teppich von Gefühlen, der sich in meiner Brust ausgebreitet hatte und nun wurde er von der Freude zerschnitten. Es passte alles nicht zusammen.
Ich zwang mich zu einem Lächeln, Henrick zuliebe. Er hatte mich mit den guten Nachrichten aufheitern wollen und den Erfolg wollte ich ihm lassen. Außerdem wollte ich nicht mehr bleiben. In diesem Moment wünschte ich mir nur, dass ich gehen konnte, ohne weitere Fragen. Meine Augen wanderten immer wieder zum Aktenschrank und der Rabe an der Wand funkelte bedrohlich. Ich brauchte frische Luft.
Als ich nach draußen trat, merkte ich erst wieder, wie kalt mir war. Ich trug noch immer das T-Shirt, das seit meinem Lauf im Regen durchnässt war und nur den Pulli darüber. Der Stoff war zwar nichtmehr komplett nass, aber trotzdem noch feucht und eisig. Zum Glück regnete es nichtmehr, aber der leichte Abendwind zog scharf durch meine Kleider und stellte meine Haare auf.
Ich ging durch die Straßen, an denen die Laternen noch nicht angeschaltet waren und die Menschen noch nicht nach Hause getrieben hatten. Es war ein seltsames Gefühl, das sich inzwischen in mir breit gemacht hatte. Neue Fragen schwebten über mir und zum ersten Mal machte ich mir Gedanken darüber, wie ich meinen Eltern entgegentreten würde. Um mich herum wirkte alles grau und auch ich schien grau. Hatten meine Eltern noch vor, es mir zu sagen? War es vielleicht das, worüber sie eben geredet hatten? Es kam mir vor, als wäre das Gespräch über Neuseeland Tage her, vermutlich, weil ich zwischendurch geschlafen hatte. Wieder keimten Zweifel in mir auf, bei der Vorstellung, es aus ihrem Mund zu hören. Sollte ich sie darauf ansprechen? In etwas weniger als drei Wochen wäre ich sowieso weg und wie meinte Mutter schon ganz richtig gesagt hatte, konnte es auch so bleiben. Aber ich wusste schon jetzt sicher, dass mich die Fragen nicht mehr loslassen würden, dass sie solange an mir nagen würden, bis ich zu schwach war, sie noch länger zurück zu halten.
Also beschloss ich, es erst einmal aufzuschieben und abzuwarten.
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