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 Der Steinsammler

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fuwachi
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BeitragThema: Der Steinsammler   Mo Okt 22, 2012 7:43 pm

Eine KG, ich hoffe wirklich das sie gefällt.

Der Steinsammler

Unter einem Himmel, der sich nicht zwischen seinem grauen und seinem matt blauen Farbenkleid entscheiden konnte, hockte ein Mann.
Er hockte in einem grob körnigem Sand mit krummen Rücken, die Beine angewinkelt. Sein Kinn auf den Knien liegend. Sein Blick verlor sich im Sand und war scheinbar ohne Ziel. Durch den rauen Sand wühlten die aufgescheuerten Hände des Mannes. Um ihn herum wildes Möwengeschrei von tausenden Beobachtern.
Der Mann suchte, er suchte schon lange und würde es noch lange tun, den er sammelte eine schier unerschöpfliche Quelle. Graue Steine. In jeder Form und Farbton. Ob schön oder schlicht. Er sammelte sie und warf sie alle auf einen großen Haufen, der immer und immer mehr wuchs, jetzt seit vier Wochen.
Schaulustige Passanten die den Strand besuchten fragten neugierig den Sammler für was er eigentlich sammelte, sie hofften er würde ihnen eine spannende und aufregende Antwort geben. Vielleicht ein großes Kunstprojekt? Doch er konnte das Bedürfnis von Aufregung der Fremden nicht stillen. Seine Antwort auf dieses große WARUM blieb stets die selbe.
Enttäuscht gingen die Neugierigen weiter, fragten sich wie ein Mensch nur auf solch irrsinnige Gedanken kommen könne, so unsinng! Als ihre Fußspuren schon von den Meeressaum verschluckt wurden waren, die zu dem Sammler führten, war die Sache so gut wie vergessen.
Doch der Sammler sammelte weiter, füllte Beutel um Beutel und trug ihm zum großen Haufen wie Opfergaben. Ein unersättliches, graues, riesen Monster.
Wieder schüttelte er seinen Fang auf den Rießen und die Steine klirrten aufgeregt. Er gab ein Schnauben vom sich, ließ seine Handgelenke kreisen, die wie verrostet waren und streckte den schmerzenden Rücken durch. Schon drehte er sich um und suchte sich eine Neue Stelle zum Sammeln. Keinen Augenblick gönnte sich. Keinen wartete er. Es waren zu viele Steine um anzuhalten. Und so war sein Tag dementsprächend.
Gemeinsam mit dem Morgen wachte er auf. Suchte den Strand auf und sammelte. Und ging wieder wenn das Licht schindete und es zu schwer wurde dann zu sammeln. Wenn die Müdigkeit ihn Heim holte.

Die Luft war salzig und es wehte rau in seinen dunklen Mantel hinein. Dem Steinsammler kam der Gedanke auf, dass es ein Gewitter geben könnte und er müsste heute früher aufhören zu sammeln.
Sein Blick war zu gekniffen um die kleinen Steine zu erkennen, seine Augen waren nicht mehr die Besten, schon vorher.
Jetzt riss der wühlende Wind zornig an ihm und zwang ihn dazu sich zu erheben. Über ihn, hatte der Himmel ein wütendes, dunkles Gewand angezogen und schwang es drohend umher. Es war ihm gar nicht aufgefallen, dass der Himmel sich so schnell verändert hatte. Aber so war es jetzt und es musste wohl das Ende dieses Tages sein. Denn letzten kläglichen Inhalt seinen Beutels schüttelte er wieder auf den Haufen. Nun war er bereits genauso groß wie er und er war ein Mann von durchnittlichergröße.

Mit müden Augen sah er sich am Strandstück um das vollkommen verlassen schien. Dieser Strand war nicht immer so, im Sommer sprühte er fast jeden Tag voller Leben, nahezu die ganze Zeit. Waren es nun Gruppen von jungen Menschen, die sich hier Spaß erhoffen und Abenteuer. Liebende die nach der Romantik lechzten. Senioren die sich nach Entspannung und Seelenfrieden sehnten. Er dachte an diese ganzen Körper die sich auf Handtüchern in der Sonne braten ließen und schwitzten. Sie freuten sich über die besondere Kühle des Meeres. Erlagen seiner unbändige Anziehungskraft.
Er dachte an all diese vielen verschiedenen Menschengruppen, stellte sie sich ganz genau vor, in jedem Detail, konnte sich sogar ihre Gesichter ausmalen.
Teenager, Liebespaare, Rentner all diese und Familien. Doch die taten weh. Mütter die ihren Kindern hinter her blickten und darauf achteten, dass der Mantel aus Sonnencreme noch keine Löcher hatte. Väter die sich von ihren fleißigen Kindern bis zum Kopf im Sand verbuddeln ließen, oder in ihren Liegestühlen mit einer kalten Dose Bier saßen und wenigstens so taten als würden sie aufpassen. Solche Väter kannte er nur zu gut, er hatte immer versucht nicht einer dieser zu sein, die alles verpassen und sich am Ende schwer wundern. Versucht...er hatte es versucht. Doch trotzdem musste er sich am Ende wundern.

Die Wellen brachen an den Steingruppen und grölten laut und bedrohend. Nirgendswo mehr ein Funken Licht am Himmel zu sehen, nichts das Hoffnung machte. Der Sammler stand dem Sturm mit festen Beinen entgegen, die schwarzen Gummistiefel fest im Sand vergraben. Doch war das alles nicht da. Nur der Vater der auf das unglaublich blaue Meer blickte. Der Tag war heiß, so heiß dass es schon fast unerträglich war und man sich eigentlich nur wünschte in einem kühlen Schatten zu sitzen und zu schlafen. Doch sie wollte ans Meer, denn es war ihr Geburtstag und das war es ,was sie sich wünschte. Wie hätte dieser Vater nein sagen können zu ihr? Zusammen ging diese Familie an den Strand und breiteten sich dort mit allem was dazu gehörte aus. Sonnenschirm, Liegestühlen, Kühlbox, Picknickkorb,...Viel war an diesem Tag nicht los gewesen.
Der Vater sah wie seine Tochter fröhlich glucksend am Wasser umher lief und immer wieder aufschrie als die Wellen ihre nackten Füße berührten. Die Sonne brannte und er lag erschöpft da, nicht willens sich zu regen. Er schloss die Augen, als plötzlich ein dunkler Schatten sich über sein Gesicht legte, sofort schlug er die Augen auf und blickte in das kleine, sommersprossige Gesicht. Blaue Augen starrten ihn glühend und begeistert an. Er richtete sich langsam auf, ihr Lächeln steckte den Vater an.
Aufgeregt zeigte sie auf einen kleinen grauen Haufen-Steine. Sie sagte, sie würde sie sammeln. Verwundert fragte der Vater warum, doch sie zuckte nur mit den Schultern und antwortete ihm keck, sie wüsste auch nicht wofür, noch nicht, vielleicht einfach so. Jetzt würde sie weiter suchen gehen.
Der Vater war zufrieden und legte sich wieder in die absolute Waagerechte.
Es war still, still und heiß, als plötzlich von weit weg eine junge Stimme schrie, so laut als könne sie Wände zum Einsturz bringen. So verzweifelt und qualvoll, als gebe es nichts mehr, nichts das auch nur..ein Funken wäre. Sofort sprang er auf, suchte mit den Augen den Strand ab, wieder und wieder, doch sie war nirgendwo. Es fühlte sich an als wären schon Stunden vergangen, als er beschloss energisch aufzustehen. Der Vater hatte sich davor gefürchtet, wollte es nicht tun, denn er wollte es nicht wahr sein lassen, nur das nicht. Doch er schrie ihren Namen so laut er konnte. Ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Bis der Schrei wieder zu hören war, vom Wasser aus ganz klar- ein lautes Papa. Sofort und mit voller Energie setzten sich seine Muskeln in Bewegung, arbeiteten wie eine gehetztes Tier. Wie ein Stier stürmte er durch das Wasser, brüllte voller Verzweiflung ihren Namen. Suchte, suchte, doch fand nicht. Schrie wieder und wieder, jede Luft aus den Lungen bis er ersticken sollte, wenn er sie dann finden sollte? Ihr Name war alles.

Doch sie schrie nicht zurück. Nie.

Ewigkeiten vergingen und sie war nicht da, Leute hatten angefangen dem gebrochenen Vater zu helfen. Die Panik in ihm war verflogen und wich nur noch ungeschmückter Verzweiflung, blank und ätzend. Ein Mann rief auf und der Vater sah einen Körper in seinen Armen liegen. Wie arbeitete sein Körper. Sein Atem rasselte.
Mit einem mal stoppte er, der zarte Körper regte sich nicht mehr, der Kopf fiel nach unten die Arme waren schlaff und baumelten leblos umher. Der Vater sah in das Gesicht des Mannes und er blickte in die pure Trauer. Er schüttelte den Kopf, heftig und flehend rief er ihren so vertrauten Namen, schrie, brüllte. Als hätte sie jetzt noch eine Antwort geben können.

Mit ihrem kalten Körper lief er zurück an den Strand, wo sich schon Schlaulustige gesammelt hatten, sie waren ihm egal. Er hatte ihren Kopf gegen seine Wange gedrückt und flüsterte entschuldigende Worte, ließ Tränen in ihr Gesicht fallen. Vorsichtig legte er sie nieder, in das Bett aus Sand und beugte sich über sie, strich ihr die feuchten Strähnen aus ihrem rundem Gesicht. Mit vorsichtiger Hand, die voller Zittern war, streichelte der Vater über ihre Wange, hinterließ kleine helle Sandkörnchen auf ihrer blassen Haut. Gequälte Laute drangen aus ihm, als würde ein Tier kläglich vor sich hin sterben. Er ertrug es keine Sekunde länger das Mädchen, sein Mädchen, seine Tochter anzusehen, sie noch einen Augenblick länger...Als würde er sich ergeben ließ er sich sich vor ihr fallen, das Gesicht im Sand, die Hand um ihre. Könnte er nur auf der Stelle mit ihr fort gehen...

Als sie weg waren, jeder einzelne auch die Mutter, saß er noch am Strand, hatte sich geweigert sich zu bewegen, sie hatte es nicht mehr mit ihm ausgehalten.
Es war schon sehr spät und die Nacht nahm den Himmel langsam ein, als der Vater sich um sah und den grauen Steinhaufen erblickte. Benommen krabbelte er zu dem kleinen Haufen, der in sich zusammen gefallen war, schob die Steine mit aller Achtsamkeit wieder zusammen.

Kalt und hart klatschten ihm die eisernen Regentropfen um die Nase, die unter der Kapuze hervorluckte. Noch immer stand der Mann hier und sah auf das Meer, das unerbittlich um sich schlug, als würde es einen Krieg führen. Aber gegen wen? Das wusste der Mann nicht und wollte auch nicht wissen was in dem Meer vor sich ging, dass es so kaltherzig war. Es nahm und gab nicht mehr zurück, was seine Arme an sich gerissen hatten. Sog es in seine fernen Tiefen, um dann dort zu sein. Und zu sein, zu sein, zu sein.

Donner grölte über das Land und der Sammler wand sich ab, stand seinem grauen Monster gegenüber. Auge um Auge. Er hatte versucht nicht so ein Vater zu sein, doch am Ende lag er doch vor dem Körper seiner toten Tochter und hatte sich gewundert.
Er kniff die Augen zusammen, eine brodelnde Wut stieg in ihm auf und ihm war fröstelnd kalt. In Gedanken schloss er die Augen und packte plötzlich ein Entschluss. Bereit fasste er diese Wut und rann los, stieß mit voller Wucht gegen den Steinhaufen, der sofort in sich zusammen krachte. Die Steine rollten und stürzten auf ihn hinab, doch er gab nicht auf. Dieses Monster sollte ihn nicht länger besitzen. Nicht ihn! Während die Blitze im pechschwarzen Himmel nur so schossen und der Donner ein wildes Trommelkonzert spielte, schlug der Mann um sich, warf mit den Steinen wie ein Verrückter. Er brüllte und brüllte.

Und dann, dann war auf einmal nichts mehr da. Der Mann lag in einem großen, zerstörten Steinhaufen, die Arme weit von sich ausgebreitet, den Atem langsam am beruhigen, die Augen vor Erschöpfung geschlossen. Lag der Mann so da, das Gewitter einfach über sich ergehen lassen.

Es hatte schon aufgehört zu regen, Blitz und Donner waren fort, da machte der Mann seine Augen und auf sah in den Himmel, der sich grade öffnete als würde er zart lächeln. Angesteckt von diesem Lächeln grinste der ehemalige Sammler und sah auf's Meer, das zufrieden und hellblau vor sich hinglitzerte, als würde es ihm um Verzeihung bitten und versuchen ihm etwas zu schenken, ihm etwas kleines zurück zu geben, nur für einen Augenblick.Er erhob sich schwerfällig von den Steinen, klopfte den Dreck von seiner Kleidung, nickte in die Richtung des Meeres und ging.

Ende


Zuletzt von fuwachi am Fr Feb 08, 2013 11:24 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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NijuraElfe
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BeitragThema: Re: Der Steinsammler   Mo Okt 22, 2012 11:14 pm

wow die ist total gut geschrieben *_* du hast recht man merkt dass du dir mühe gegeben hast Wink
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Der Steinsammler
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